Technologiekonzern : Siemens will mehr für die Anleger tun

Vorstandschef Peter Löscher ist besorgt um die Glaubwürdigkeit. Experten loben unterdessen die Bemühungen bei Siemens gegen Korruption.

LondonSiemens will sich stärker um das Vertrauen des Aktienmarkts bemühen. „Wir haben Glaubwürdigkeit verloren, und nun müssen wir sie zurückgewinnen“, sagte Vorstandschef Peter Löscher am Dienstag bei einer Medienveranstaltung in London. Seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr hat der Börsenwert rund ein Drittel eingebüßt. Details des bevorstehenden Personalabbaus – die IG Metall befürchtet den Wegfall von 10 000 Stellen weltweit, will Löscher „in ein paar Wochen“ vorlegen.

Nach seinen Worten geht es bei Siemens nicht vorrangig um neue Visionen. Die Strategie des Technologiekonzerns gehe in weiten Teilen auf seine Vorgänger Klaus Kleinfeld und Heinrich von Pierer zurück. „Unser Fokus liegt auf dem Umsetzungselement von Strategie“, sagte Löscher. So habe Siemens unter Kleinfeld die vier wichtigen Trends definiert, die sich jetzt durch das Portfolio zögen: Globalisierung, Klimawandel, Alterung der Gesellschaft und Urbanisierung.

In den vergangenen drei Jahren habe Siemens etwa die Hälfte des Geschäfts durch Verkäufe und Übernahmen neu positioniert. Ziel sei es nun, auf Wachstumsmärkten gezielt Führungspositionen zu übernehmen, sagte Löscher. So sehe sich Siemens nach der Milliardenübernahme des US-Unternehmens Dade Behring als weltweit führender Technologieanbieter der Gesundheitswirtschaft, unterstrich der neue, für diesen Bereich zuständige Vorstand Jim Reid-Anderson, der von Dade Behring zu Siemens gekommen ist.

Nach dem Skandal um Schmiergeldzahlungen des Konzerns im Ausland hat die Antikorruptionsorganisation Transparency International (TI) das Vorgehen deutscher Behörden gelobt. Die Strafverfolgung bei Auslandsbestechung habe zugenommen, heißt es in dem am Dienstag in Berlin vorgelegten aktuellen Länderreport. Dagegen gingen Großbritannien, Kanada, Japan und Italien nicht entschlossen genug gegen Schmiergeldzahlungen vor und setzten OECD-Regeln zu wenig konsequent um. Deutschland stehe mit den USA an vorderster Stelle der Staaten, die die Strafverfolgung sehr ernst nehmen. Kritisiert wird aber, dass vor allem Siemens bisher nur ungenügend mit Geldbußen bestraft worden sei. Daher sei die Einführung eines Unternehmensstrafrechts sinnvoll. mod/dpa

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