Wirtschaft : Technologiemarkt: High-Tech-Branche vor dem Aufschwung

Ulf Sommer

Der langfristige Aufwärtstrend der amerikanischen Hochtechnologiebörse Nasdaq bleibt intakt. Bedingt durch einen neuen Schwung an der Börse nach dem absehbaren Ende des Zinserhöhungszyklus könne der Technologiemarkt noch im Herbst dieses Jahres wieder nach oben gehen, heißt es in der Studie der Frankfurter BHF-Bank.

Für High-Tech-Werte spreche die Ertragsqualität vieler amerikanischer Unternehmen. 76 Prozent aller US-Technologiefirmen haben im zweiten Quartal die Schätzungen der Analysten überboten. Zugleich gab es mit 13 Prozent die wenigsten Negativüberraschungen. Durchschnittlich legten die Firmen um 23 Prozent beim Umsatz zu - mehr als jemals zuvor. Damit wuchsen Technologieunternehmen fünf bis sechs Mal schneller als die übrige Volkswirtschaft.

Das solide Wachstum deutet nach Ansicht des Autors der Studie - Analyst André Jäkel - auf eine Renaissance der Technologiewerte hin: Der Sektor steuere einen Anteil von acht bis neun Prozent zum US-Bruttoinlandsprodukt bei; zum Wirtschaftswachstum sogar rund die Hälfte. Für die weitere Entwicklung sieht die BHF-Bank einige dunkle Wolken: Prominenteste Beispiele sind Nokia mit einer Profitwarnung, Ericsson mit Problemen in der Handysparte, Lucent mit "Horrorergebnissen" bei Netzwerkprodukten und Qualcomm nach dem Absatzeinbruch im koreanischen Telekom-Markt. Diese Faktoren belasteten derzeit die Börse, da die Unsicherheiten zu Verkaufswellen in der Gesamtbranche führten.

Die BHF-Bank geht allerdings nicht davon aus, dass sich diese Probleme auf den gesamten Technologiesektor ausdehnen. Marktführer wie der Speicherlösungen-Entwickler EMC, der Internetserver-Spezialist Sun Microsystems oder der Netzwerkriese Cisco Systems weisen derzeit die höchsten Wachstumsraten seit vielen Jahren auf. Entsprechend ist von einem stabilen Wachstum in der Gesamtbranche auszugehen, heißt es in der Studie.

Belastend wirkten jedoch die vielen Neuemissionen. In den Vereinigten Staaten sind in diesem Jahr noch über 400 Technologie-Unternehmen in der Pipeline. Allein im Internetsektor werden noch rund 15 Milliarden Dollar absorbiert.

Anlass zur Sorge gebe nach wie vor die hohe Bewertung vieler Technologieaktien: Trotz heftiger Kurseinbrüche liegt das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf 2001-Basis derzeit bei rund 50. Bis Anfang 1999 lag die Spanne nur zwischen 20 und 30.

Negativ auf die Kursentwicklung wirken sich nach Ansicht des BHF-Analysten Jäkel auch die hohen Markterwartungen aus. Fallen die Unternehmensergebnisse im Rahmen der Erwartungen aus, komme es vielfach zu Gewinnmitnahmen; werden die Schätzungen leicht verfehlt, reagiere der Markt mit Kurseinbrüchen. Nur in seltenen Ausnahmefällen, wie jüngst beim Business-to-Business-Konzern Ariba, honoriere die Börse positive Überraschungen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar