Wirtschaft : Technologiemarkt: Unternehmen unter Druck

msh

Die schwache Konjunktur hinterlässt in den Quartalsergebnissen der amerikanischen Technologieunternehmen deutliche Spuren. Der weltweit größte Softwarekonzern Microsoft machte im vergangenen Quartal einen Gewinn von 66 Millionen Dollar. Im gleichen Quartal des Vorjahres hatte Microsoft 2,4 Milliarden Dollar verdient. Allerdings drückten Verluste bei Investments in Kabelfernseh- und Telekommunikationsfirmen in Höhe von 2,6 Milliarden Dollar das Ergebnis.

Microsoft verbuchte dank starker Nachfrage, insbesondere beim Profi-Betriebssystem Windows 2000 und Server-Software, ein Umsatzplus von 13 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar. Der Software-Gigant setzte im gesamten Geschäftsjahr, das am 30. Juni endete, 25,3 Milliarden Dollar um. Das entspricht einer Verringerung um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn sank im Jahresvergleich um 2,1 Milliarden Dollar auf 7,3 Milliarden Dollar.

Für das aktuelle Quartal, das am 30. September endet, rechnet Microsoft mit einem Umsatz von nur noch sechs bis 6,2 Milliarden Dollar. "Wir gehen für das laufende Quartal von einer relativ schwachen Nachfrage nach PCs aus, da die Leute auf Windows XP warten", sagte Microsoft-Finanzchef John Connors. Windows XP ist das neue Betriebssystem, das Microsoft am 25. Oktober auf den Markt bringen will.

Der Absatz von Personal Computern ist aufgrund der schwachen Nachfrage in Amerika und Europa nach Angaben der Marktforschungsfirma Gartner Dataquest erstmals seit 1986 zurückgegangen. Im zweiten Quartal wurden nach Angaben von Dataquest weltweit 30,4 Millionen Personal Computer verkauft. Das waren 1,9 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Besserung ist frühestens im Weihnachtsgeschäft in Sicht, sagte Analyst Todd Kort von Gartner Dataquest. Als einziger großer PC-Hersteller konnte der Direktverkäufer Dell um weltweit 20 Prozent zulegen. Das ging auf Kosten der Konkurrenten. Deren Verluste reichten in den USA von 18,8 Prozent bei Hewlett-Packard bis 10,7 Prozent bei IBM.

Ganz ungeschoren von der Flaute bleibt aber auch Dell nicht. Dessen Chef Michael Dell musste frühere Ertragsprognosen revidieren und rechnet im zweiten Quartal mit einem Gewinn je Aktie von 16 Cents. Einer der direkten Konkurrenten von Dell, der amerikanische PC-Hersteller Gateway, verbuchte im zweiten Quartal und im ersten Halbjahr 2001 Verluste und starke Umsatzeinbußen. Der Umsatz fiel im Zeitraum April bis Juni auf 1,5 Milliarden Dollar nach 2,2 Milliarden Dollar im Vorjahr. Es fiel ein Verlust von 20,8 Millionen Dollar an nach einem Gewinn von 118,2 Millionen Dollar im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Der Halbjahresverlust betrug 523 Millionen Dollar gegenüber einem Gewinn von 237,8 Millionen Dollar im Vorjahreshalbjahr. Der Umsatz schrumpfte auf 3,5 (4,6) Milliarden Dollar.

Der amerikanische Hersteller von Netzwerkrechnern und Software Sun Microsystems wies im Schlussquartal seines Geschäftsjahres (Ende: 30. Juni) einen Verlust von 88 Millionen Dollar aus. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch 720 Millionen Dollar verdient. Es war der erste Quartalsverlust, den Sun seit 1989 ausweisen musste. Der Umsatz schrumpfte von fünf auf vier Milliarden Dollar. Im gesamten Geschäftsjahr setzte das Unternehmen 18,3 Milliarden Dollar um, 2,6 Milliarden mehr als im Jahr zuvor. Der Gewinn fiel auf 927 Millionen Dollar nach 1,9 Milliarden Dollar im Vorjahr.

Der kanadische Telekomausrüster Nortel Networks hat im zweiten Quartal 2001 auf Grund des dramatischen Einbruchs des Telekommunikationsmarktes und wegen beispielloser Sonderbelastungen einen Riesenverlust von 19,4 Milliarden Dollar verbucht. Dies ist einer der höchsten Verluste, den je ein Unternehmen gemacht hat. Klammert man die Sonderbelastungen aus, fiel ein operativer Verlust von 1,55 Milliarden Dollar an nach einem operativen Gewinn von 637 Millionen Dollar im zweiten Quartal 2000. Der Quartalsumsatz sackte binnen Jahresfrist von 7,2 Milliarden auf 4,6 Milliarden Dollar ab.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben