Technologiepark : In Adlershof ist noch Luft

Deutschlands größter Wissenschafts- und Technologiepark will mehr Platz für Neuansiedlungen schaffen. Trotz des Krisenjahres 2009 sehen die Verantwortlichen das Konzept bestätigt.

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Durchblick schaffen. Die Firma C2GO Inprocess Solutions GmbH in Adlershof verhilft Produktideen zur Serienreife. Foto: Mike Wolff

Berlin „Die Geschichte von Adlershof ist eine, die wir noch in vielen Bereichen in Berlin weiterschreiben müssen“, sagte der Berliner Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) bei der Präsentation der Adlershof-Bilanz in Berlin. Deutschlands größter zusammenhängender Wissenschafts- und Technologiepark legte am Mittwoch Zahlen für das Krisenjahr 2009 vor, und nicht nur Wolf schien zufrieden. „Es besteht kein Anlass, die Wachstumsstrategie der vergangenen Jahre zu ändern. Vielmehr sehen wir das Konzept eindrucksvoll bestätigt“, sagte Hardy Schmitz, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Wista-Management.

Das Konzept beruht auf der Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft. Neben 819 Unternehmen sind auf der rund vier Quadratkilometer großen Fläche unweit des Flughafens Schönefeld auch 17 wissenschaftliche Einrichtungen – unter anderem ein Fraunhofer Institut und sechs naturwissenschaftliche Institute der Humboldt-Universität – angesiedelt.

Trotz des Lobes aus der Politik gingen auch in Adlershof die Umsätze von Unternehmen sowie Haushalts- und Fördermittel der Forschungseinrichtungen im vergangenen Jahr leicht zurück. Insgesamt lagen sie bei 1,425 Milliarden Euro, rund 0,5 Prozent weniger als 2008. Allerdings taucht der in Adlershof ansässige Hersteller von Solarmodulen und -kraftwerken Solon nicht in der Bilanz der vergangenen beiden Jahre auf. Das Unternehmen erzielte 2008 einen Umsatz von 815 Millionen Euro, 2009 waren es nur noch 354 Millionen Euro. Bezöge man also Solon mit ein, läge der Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr bei mehr als 20 Prozent. „Die Zahlen von diesem einen Großunternehmen hätten die Bilanz für die vielen anderen verfälscht“, begründet Sprecher Peter Strunk. Bei den rund 400 Unternehmen des Wissenschafts- und Technologieparks, einem der vier Teilbereiche in Adlershof, schrumpften die Umsätze um 3,7 Prozent. „Das ist weniger als der Schnitt in der Bundesrepublik und in Berlin“, betonte Wista-Chef Schmitz. Im Bereich Gewerbe und Dienstleistungen, zu dem eigentlich auch Solon gehört, stiegen die Umsätze und Haushaltsmittel ohne den Solarmodulhersteller um rund drei Prozent. Die Zahl der Mitarbeiter sei insgesamt um zwei Prozent auf 13 981 zurückgegangen, dagegen seien 2009 aber vier neue Unternehmen nach Adlershof gekommen.

Und es sollen noch mehr werden. Derzeit gebe es 650 000 Quadratmeter Platz, auf dem sich neue Unternehmen ansiedeln könnten, sagte Schmitz, weitere 300 000 Quadratmeter sollen bis 2013 dazukommen. Weil die fünf Technologiezentren auf dem Adlershofer Gelände zu 96 Prozent ausgelastet seien, baue man nun ein weiteres. Dafür sollen rund 60 Millionen Euro aufgewandt werden. Auch neue Wohnungen sollen in dem Gebiet entstehen. „Adlershof war gedacht als Stadt in der Stadt“, sagte der Geschäftsführer der Adlershof Projekt GmbH, Gerhard Steindorf. Das sei bisher noch nicht erreicht worden. Und vom Flughafen BBI, der im Herbst 2011 eröffnet werden soll, erwarte man noch mal einen „anderen Blick der Investoren“ auf Adlershof.

Die Unternehmen teilen den Optimismus der Betreiber: 46 Prozent rechnen für 2010 mit steigenden Umsätzen. 33 Prozent erwarten sogar steigende Mitarbeiterzahlen. Und auch Solon hofft auf sonnigere Zeiten.

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