Wirtschaft : Technologiesektor: Nach Orange sehen alle schwarz

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Die Krise der Technologie- und Telekomtitel an den europäischen Börsen sorgt in den Konsortialabteilungen der Banken für gedrückte Stimmung. "Extreme Ruhe" lautet die Antwort, wenn die Institute nach neuen Börsengängen gefragt werden. Vor allem die schwierige Platzierung von Orange, der Mobilfunktochter der France Télécom, habe den Markt stark verunsichert, heißt es.

Der Börsengang von Orange galt als erster Härtetest für die Aufnahmefähigkeit europäischer Aktienmärkte in diesem Jahr. Doch die Emission erfüllte die hoch gesteckten Erwartungen nicht. France Télécom musste mangels Nachfrage die Preisspanne senken, dennoch notierte die Orange-Aktie am Donnerstag zehn Prozent unter dem Ausgabekurs von 9,50 Euro für Privatanleger.

Während sich nun die Kandidaten aus dem Telekom- und Technologiesektor bedeckt halten, haben zwei europäische Konzerne aus der "Old Economy" bereits konkrete Börsenpläne. Anfang April will die staatliche spanische Holdinggesellschaft Sepi knapp 54 Prozent der Anteile an Spaniens größter Fluggesellschaft Iberia an die Börse bringen. Bei der geplanten Emission geht es um 492 Millionen Aktien. Im vergangenen März hatte die spanische Regierung bereits 40 Prozent der Iberia für 1,1 Milliarden an sieben Investoren, darunter die British Airways, verkauft. So schnell wie möglich will auch der staatliche norwegische Ölkonzern Statoil an die Börse. Die Regierung in Oslo plant die Platzierung von zehn bis 25 Prozent des Ölriesen. Nach Informationen aus Bankenkreisen soll das Volumen bei rund drei Milliarden Dollar liegen. Trotz dieser beiden Großemissionen wird es 2001 nach Einschätzung der Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) ruhiger zugehen als im Vorjahr. 2000 brachten europäische Emittenten noch Aktien im Wert von 163 Milliarden Dollar an die Börse. Dagegen sollen in diesem Jahr Börsengänge und Zweitplatzierungen mit einem Volumen von 70 Milliarden Dollar in der Pipeline sein. Unter anderem wollen die niederländische KPN und die Deutsche Telekom noch in diesem Jahr ihre Mobilfunktöchter an die Börse bringen. British Telecom denkt dagegen bereits darüber nach, die Börsenpläne für 25 Prozent von BT Wireless aufzugeben und die Tochter auszugliedern.

Ähnlich verhalten wie im restlichen Europa sieht die Lage am deutschen Markt aus. Bislang kamen in diesem Jahr nur fünf neue Unternehmen an die Börse, mit einer deutlichen Belebung ist angesichts der anhaltenden Schwäche am Neuen Markt nicht zu rechnen. Zwar haben zahlreiche Gesellschaften ihren Börsengang angekündigt, doch die meisten nennen kein konkretes Datum. Fest terminiert sind nur drei Emissionen: OHBTeledata (siehe Geldticker), LS Telcom und Triplan. Während die ersten beiden Kandidaten an den Neuen Markt streben, zieht es Triplan ins Nebenwertesegment Smax. "Im Moment will sich noch niemand aus der Deckung wagen", heißt es aus der Konsortialabteilung einer deutschen Großbank. Insgesamt rechnen die meisten Analysten auch im Inland mit deutlich weniger Emissionen als im Vorjahr. So gehen die Experten von Credit Suisse First Boston für 2001 von 60 Neuzugängen am Neuen Markt aus - nach 137 im Jahr 2000.

Die nächste deutsche Emission mit einem Volumen im Milliarden-Euro-Bereich startet voraussichtlich erst im Juni. Der Frankfurter Flughafen will als Fraport AG in den amtlichen Handel. Geführt wird der Börsengang von Morgan Stanley und Dresdner Kleinwort Wasserstein. Unklar ist dagegen, ob der Chemiekonzern Degussa seine Tochter dmc2 an die Börse bringt oder nicht doch an einen Investor verkauft. Die Vorbereitungen für einen möglichen Börsengang laufen Informationen aus Finanzkreisen zufolge weiter. Allerdings lägen bereits Angebote britischer Finanzinvestoren für eine Übernahme vor. Bei der Trennung von der Tochter lässt sich Degussa vom Bankhaus Metzler beraten, das Mandat für eine Emission würden Goldman Sachs und Dresdner Kleinwort Wasserstein übernehmen.

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