Technologietransfer : Förderung für den Fleisch-Scanner

Berlin und Brandenburg wollen Forschung und Wirtschaft besser vernetzen. Der länderübergreifende Technologietransfer aus der Wissenschaft soll künftig schneller und unbürokratischer gelingen.

Kevin P. Hoffmann

Berlin - Als Standort für Wissenschaft und Forschung ist die Hauptstadtregion heute schon fest etabliert – und das über Deutschlands Grenzen hinaus. Doch welchen Wert hat diese Tatsache, wenn daraus kaum neue Unternehmen und damit auch keine neuen Jobs entstehen? Seit Jahren arbeiten die Regierungen von Berlin und Brandenburg gemeinsam daran, diese Lücke zu schließen. Es geht um Technologietransfer. Im November organisierten die Standortagenturen der beiden Länder und die Technologiestiftung Berlin (TSB) den 1. Innovationsgipfel, um Forscher und Unternehmer zusammenzubringen und Förderschwerpunkte zu setzen. Am Mittwoch fand in Berlin der 2. Gipfel dieser Art statt.

Gut 300 Teilnehmer trafen sich im Langenbeck-Virchow-Haus nahe der Charité in Berlin-Mitte. Dort erinnert eine Tafel an Wilhelm Pieck, der 1949 an diesem Ort zum ersten und einzigen Präsidenten der DDR gewählt worden war. Ob am gestrigen Dienstag wieder Geschichte geschrieben wurde, muss sich noch zeigen: Zumindest unterzeichneten Vertreter beider Länder einige Abkommen, die helfen sollen, Wissenschaft und Wirtschaft in der Region besser zu verzahnen.

Berlins Wirtschaftsminister Harald Wolf (Linke), Brandenburgs Wirtschaftssenator Ulrich Junghanns (CDU), Brandenburgs Wissenschafts- und Forschungsministerin Johanna Wanka und Berlins Wissenschaftsstaatssekretär Hans-Gerhard Husung äußerten sich im Anschluss an die Unterzeichnung zuversichtlich, dass der länderübergreifende Technologietransfer aus der Wissenschaft in die kleinen und mittleren Unternehmen künftig schneller und unbürokratischer gelingen kann.

Zu dem Zweck werden Berlins Senat und die Potsdamer Landesregierung das bereits bestehende Berliner „Top 50“- Programm kopieren, bei dem 50 Forschungsprojekte aus den Fachgebieten Biotech, Medizin und Pharma identifiziert worden waren, um ihren Weg in die Wirtschaft zu fördern. Das Nachfolgeprojekt heißt „Top 100“ und soll sich nicht mehr nur auf die genannten Branchen konzentrieren. Zudem wollen die Länder einen Lenkungsausschuss auf Staatssekretärsebene einrichten, der Projekte besser abstimmen soll. Ferner lobten Berlin und Brandenburg den mit insgesamt 10 000 Euro dotierten Technologietransfer-Preis aus – analog zum seit 25 Jahren bestehenden Innovationspreis.

Die Minister benannten zudem fünf neue Leitprojekte aus den Feldern Biotech, Medizintechnik, Pharma, Energietechnik und Verkehrssystemtechnik: So kann der „Innovationsnukleus Biomedizinische Materialien Berlin-Brandenburg“ in dem Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen sind, bis zu 30 Millionen Euro für Baumaßnahmen und Projektförderung ausgeben. Stellvertretend für die Energietechnik bekommt das Projekt „e-Solcar“ Fördermittel aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung und der EU zugeschoben. Konkret soll davon in Cottbus der Einsatz von Elektroautos erprobt werden, die mit Strom aus Solardächern gespeist werden. Ein weiteres Projekt soll Berlin und Potsdam als Modellregion der Elektromobilität fördern.

Geld erhält auch das „Geo Service Center“, das die Kompetenzen zur Landvermessung in beiden Bundesländern bündeln soll. Besonders verbrauchernah wirkt die Entscheidung, die Entwicklung des „Flesh Scan“ als Leitprojekt zu fördern. Dabei bauen Forscher mit der Hilfe der Mikrosystemtechnik ein Gerät, mit dem man schnell und einfach verdorbenes Fleisch im Handel identifizieren kann. Wenn man mit so einem Scanner nicht Geld verdienen kann, muss man Transferförderung wohl komplett überdenken. 

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