Wirtschaft : Teemarkt: Pflanzer profitieren vom Trend zum Rooibos-Tee

Wolfgang Drechsler

Die Nachfrage nach südafrikanischem Rooibos Tee ist vor allem in Deutschland zuletzt so dramtisch gestiegen, dass die Teepflanzer am Kap mit ihrer Produktion kaum noch nachkommen. Nach Angaben von Arend Redlinghuys, Marketingmanager des Vertreibers Rooibos Limited, wird sein Unternehmen in diesem Jahr vermutlich erstmalig mehr als 4000 Tonnen des gesunden Kräutertees exportieren - fast die Hälfte davon nach Deutschland. Dies wäre ein Anstieg von fast 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 1999 führte Südafrika nur knapp ein Drittel seiner gesamten Rooibos-Produktion von rund 6000 Tonnen aus.

Der tanninfreie Rooibos-Tee ist insofern einzigartig, als er nur in der Berglandschaft um den Ort Clanwilliam, 250 Kilometer nördlich von Kapstadt, gedeiht. Nachdem das Monopol der dortigen Teefabrik mit dem Ende der Apartheid fiel, haben sich auch kleinere Produzenten an den Teeanbau gemacht. Als qualitativ besonders hochwertig gilt der Rooibos-Tee von der mitten im Cederberg gelegenen Missionsstation Wupperthal. Diese wurde 1830 von dem deutschen Missionar Johann Leipoldt im Auftrag der Rheinischen Mission gegründet und nach der Stadt im Oberbergischen Land benannt. 40 farbige Farmer haben hier gegenwärtig rund 40 000 Hektar Land von der Kirche gepachtet, auf dem sie den Tee anbauen.

Die Farmer in Wupperthal haben von der Deregulierung des Teemarktes profitiert, der unter der Apartheid strikt vom südafrikanischen Staat reglementiert wurde und deshalb international kaum konkurrenzfähig war. Früher mussten die Wupperthaler Farmer ihren hochwertigen Tee zu Dumpingpreisen an eine der staatlichen Teefabriken abführen. Heute wollen sie ihn mit Hilfe der zuständigen Außenhandels- und Marketingorganisation Wesgro selbst in alle Welt verkaufen. Außer als Tee gibt es Rooibos inzwischen auch als Seife, als Body Lotion und sogar als Badesalz und Schaumbad. Selbst Locken oder ergraute Schnurrbärte kann man mit dem rostig aussehenden Gebräu mittlerweile attraktiv tönen.

In den letzten drei Jahren wurde die Rooibos-Produktion allerdings von den geringen Regenfällen in der Region stark beeinträchtigt. Denn anders als die meisten anderen Teesorten wird Rooibos mittels der sogenannten "Trockenland"-Methode angebaut, dass heißt, er darf nicht künstlich bewässert werden. Die jeweilige Ernte hängt somit direkt vom Niederschlag ab, der in den letzten beiden Jahren weit unter dem Soll lag.

Um Lieferengpässe zu vermeiden und die neu gewonnenen Kunden nicht gleich zu verprellen, warf Rooibos Limited zuletzt einen Gutteil der in den späten neunziger Jahren angelegten strategischen Vorräte auf den Markt. Nach Angaben des Unternehmens wächst der deutsche Markt besonders schnell. Zudem wird Rooibos von vielen großen internationalen Teefirmen wie Pickwick, Teekanne und Twinnings als Grundlage für einen Teil ihrer Kräutertee-Mixturen verwendet, da seine Farbe und sein Aroma diesen Sorten mehr Flair geben.

Insgesamt exportiert Rooibos Limited nach eigenen Angaben mittlerweile in mehr als 20 Länder. In den meisten von ihnen, wie etwa in Japan, ist Rooibos wegen seiner angeblich gesundheitsfördernden Eigenschaften inzwischen so gefragt, dass die lokalen Vertreiber die Nachfrage kaum decken können. Rooibos Limited profitierte aber auch davon, dass eine Reihe bekannter Sportler und Fotomodelle, inzwischen mit Hingabe den Tee schlürfen, der ausschließlich in einem Radius von 100 km um Clanwilliam angebaut wird. Die Verleihung des international anerkannten Gütesiegels HACCP durch das Bureau of Standards half dem Unternehmen bei der Vermarktung im Ausland. Das Siegel garantiert eine saubere und hygienische Verarbeitung des Tees.

Als ein weiterer Verkaufsschlager scheint sich nun aber auch der ebenfalls in der Region angebaute Honeybush-Tea zu entpuppen, der vor allem bei rheumatischen Erkrankungen empfohlen wird. Nachdem der Tee vor drei Jahren noch als Geheimtipp galt und nur ganze 30 Tonnen geerntet wurden, ist seine Produktion inzwischen auf 150 Tonnen gestiegen, von denen fast Zweidrittel in den Export gehen. Für die südafrikanischen Pflanzer ist der Tee noch lukrativer als Rooibos, da sein Großhandelspreis mit 20 Rand pro Kilo beinahe doppelt so hoch wie der von Rooibos-Tee ist.

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