Wirtschaft : Teichmüller zum IG-Metall-Vorsitz bereit

Hamburger Bezirksleiter bringt sich als Zwickel-Nachfolger ins Gespräch/Nächste Krisensitzung am 1. September

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Berlin (alf). Der Vorstand der IG Metall wird am 1. September einen erneuten Versuch zur Lösung der Führungskrise unternehmen. Am Dienstag war eine 13stündige Krisensitzung ohne Ergebnis geblieben, weil sich der umstrittene zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, Jürgen Peters, nicht auf einen Rücktritt einlassen wollte. Am Mittwoch brachte sich der Hamburger Bezirksleiter der Gewerkschaft, Frank Teichmüller, ins Gespräch um die Nachfolge von IG-Metall-Chef Klaus Zwickel.

Teichmüller sagte in der „Tagesschau“: „Ich kann mir eine Situation vorstellen, wenn die Not am größten ist, dass ich zur Verfügung stehe.“ Das sagte Teichmüller auch der Nachrichtenagentur Reuters, ließ dabei aber offen, ob er für den Vorsitz oder für den Stellvertreterposten antreten würde. „Ich stehe nur in einem Team zur Verfügung. Ich schließe aber aus, dass ich in einem solchen Team neben Herrn Peters antrete.“

Jetzt ist wieder einmal Zwickel am Zug, der dem Vorstand einen Kandidaten beziehungsweise ein Duo für den ersten und den zweiten Vorsitz vorschlagen wird. Die bisherige Tandemlösung – Peters als erster und Berthold Huber als zweiter Vorsitzender – ist erledigt, nachdem der Stuttgarter Bezirksleiter Huber am Dienstag während der Vorstandssitzung erklärt hatte, nicht mehr für einen Spitzenposten kandidieren zu wollen.

Was aus Peters wird, ist offen. Eine einvernehmliche Lösung, also gewissermaßen ein erneutes Tandem mit Peters und einem Vertreter aus dem so genannten Huber-Lager „wird es mit Peters nicht geben“, hieß es in Gewerkschaftskreisen. Der Reformflügel der IG Metall um Zwickel will Peters auf jeden Fall als nächsten Vorsitzenden verhindern. Ob dafür die Chancen nach dem Sitzungsmarathon vom Dienstag besser geworden sind, wird unterschiedlich bewertet. In Peters Heimatbezirk Niedersachsen sah man ihn gestärkt aus der Sitzung kommen. Die Reformer sind anderer Meinung. Da nun die Tandemlösung kaputt sei, müsse der Vorstand neu entscheiden und eine Lösung ohne Peters suchen. Neben Teichmüller werden auch der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer und Betriebsräte aus der Autoindustrie als Zwickel-Nachfolger gehandelt. Nicht ausgeschlossen ist aber auch eine Lösung nach dem Vorbild ÖTV: Nach dem plötzlichen Rücktritt des Vorsitzenden Herbert Mai im Herbst 2000 zauberten die Krisenmanager über Nacht Frank Bsirske aus dem Hut, der damals Personaldezernent in Hannover war und heute Verdi führt.

In der Vorstandssitzung am Dienstag hatte Zwickel seinen Rücktritt angeboten – unter der Prämisse, dass Peters auch geht, was dieser erwartungsgemäß ablehnte. Zwickel wollte nach eigenen Worten „sichtbare politische Konsequenzen aus der Niederlage ziehen“. Das wäre auch möglich gewesen mit dem Vorschlag von VW-Betriebsrat Klaus Volkert, der den Rücktritt des gesamten Vorstands ins Spiel brachte. Insbesondere für die ostdeutschen Metaller, die erfolglos gestreikt hatten, wäre das ein Signal dafür gewesen, dass der Vorstand Verantwortung übernimmt, hieß es in Vorstandskreisen. Doch auch für diesen Schritt gab es keine Mehrheit.

Peters kündigte nach der Sitzung an, an seiner Kandidatur für den Chefposten festhalten zu wollen. „Was jetzt mit mir gemacht wird, führt dazu, dass sich bestimmte Verhaltensweisen bei mir verschärfen.“

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