Wirtschaft : Teil 2: Evotec verdient beim Erfolg der Pharma-Kunden kräftig mit

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Bei der Suche nach neuen Medikamenten geht es zu wie beim Goldwaschen: Aus einem Meer von Antikörpern sieben die Forscher einige wenige heraus, die das Potenzial zur Arznei haben. Doch die Goldsuche ist teuer: Bis zu 500 Millionen US-Dollar kostet es bis zur Markteinführung eines neuen Medikaments. Die Investitionen der Pharmaindustrie in die Wirkstoffforschung sind entsprechend hoch: Rund 23,4 Milliarden US-Dollar geben die Unternehmen dafür jährlich aus.

Das ist die Chance für Unternehmen wie die Evotech Biosystems AG. Die Hamburger Biotech-Firma, die seit November 1999 am Neuen Markt notiert ist, hat sich auf die automatisierte Suche nach möglichen Wirkstoffen für die Pharmaindustrie spezialisiert. Ziel ist es, neue pharmazeutische Wirkstoffe schneller und damit kostengünstiger zu finden und auf den Markt zu bringen, als mit herkömmlichen Methoden. Zurzeit dauert es noch zehn bis zwölf Jahre von der Entwicklung bis zur Marktreife eines neuen Medikaments. Evotec will diese Zeit "um einige Jahre" verkürzen.

Weil die Markteinführung von Medikamenten oft in einer späten Phase der Forschung oder an der Zulassung durch die Gesundheitsbehörden scheitert, hat das Unternehmen seine Aktivitäten auf die Anfangsphase der Forschung konzentriert. Dadurch können Versager frühzeitig entdeckt und aussortiert werden. Dadurch können nach eigenen Angaben bis zu 150 Millionen Dollar je Neuzulassung gespart werden.

Das 1993 von Nobelpreisträger Manfred Eigen gegründete Unternehmen hat dazu sogenannte Ultra-Hochdurchsatz-Screening-Geräte entwickelt. Sie können binnen 24 Stunden bis zu 50 000 Wirkstoffe automatisch testen. Die nächste Geräte-Generation, die voraussichtlich 2001 auf den Markt kommt, soll sogar 100 000 Substanzen pro Tag verarbeiten.

Was die Hamburger von Konkurrenten unterscheidet, ist das "one-stop-shopping". "Evotec liefert von der frühen Wirkstoffsuche bis hin zur toxikologischen Prüfung alles aus einer Hand", sagt die Deutsche-Bank-Analystin Katharina Uhlenbrock. Neben der nötigen Forschungstechnologie verkauft Evotec auch fertige Wirkstoffe und bietet sich als Dienstleister vor allem für kleinere Biotechnologie-Unternehmen an, die sich die teuren Geräte nicht leisten können. Die Knoll AG aus Ludwigshafen etwa hat Evotec im Dezember beauftragt, bis 2001 neue Arzneistoffe gegen bisher schwer therapierbare Krankheiten zu finden. Wenn ein Pharma-Konzern ein neues Medikament mit Hilfe oder einen neuen Wirkstoff mit Hilfe der Evotec-Technik entwickelt, verdient das Hamburger Unternehmen kräftig mit. Neben der Wirkstoffsuche will das Unternehmen bald auch eigenen Medikamente gegen Alzheimer entwickeln.

Ernsthafte Wettbewerber für Evotec gebe es nicht, sagt Analystin Uhlenbrock. Das große Potenzial des Unternehmens dokumentierten die Allianzen mit namhaften Pharma-Konzernen wie Novartis, Smithkline Beecham und Pfizer, weitere seien geplant. Auch Petra Meyer, Analystin vom Bankhaus Sal. Oppenheim, sieht das Unternehmen auf dem richtigen Weg. Umsätze habe Evotec bereits aus der Technologie-Kooperation und den Gebühren für Dienstleistungen. Das Management sei hervorragend: "Die wissen sehr genau, wo sie hin wollen", sagt Meyer.

Im vergangenen Jahr erzielte Evotec einen Umsatz von 19,1 Millionen Mark. Der Jahresfehlbetrag fiel mit 18,5 Millionen Mark niedriger aus als von Analysten erwartet. Auch im ersten Quartal wies das Unternehmen einen Fehlbetrag von 6,6 Millionen Mark aus - 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Evotec begründet das mit erhöhten Forschungskosten. Erst in zwei Jahren will das Unternehmen, das 229 Mitarbeiter beschäftigt, die Gewinnschwelle erreichen.

Mit Blick auf die Zukunft sieht Analystin Meyer vor allem ein Risiko: "Wie werden Sie es schaffen, ihr enormes Wachstum in den Griff zu bekommen?"In den kommenden Wochen werden wir in lockerer Folge über viel versprechende deutsche Biotech-Unternehmen, den Markt für Biotech-Aktien und erfolgreiche Bio-Regionen berichten. Thema der nächsten Folge der Serie: Rhein Biotech aus Düsseldorf.

Weitere Informationen unter www.evotec.de

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