Wirtschaft : Teil von Elektrokohle Lichtenberg droht Aus

BERLIN (chi).Die Ucar Elektroden GmbH, einer der Nachfolgebetriebe der früheren Elektrokohle Lichtenberg (EKL) AG, mit knapp 70 Beschäftigten soll Ende des Jahres stillgelegt werden.Der Eigentümer, die amerikanische Ucar International, einer der weltweit größten Hersteller von Graphitelektroden, begründet die Entscheidung mit wirtschaftlichen Zwängen, bedingt vor allem durch die nachlassende Produktionsentwicklung beim Hauptabnehmer, der Stahlindustrie.Im Rahmen eines konzernweiten Restrukturierungsprogramms, "mit dem Ziel, unsere Position als preisgünstiger Zulieferer für die Stahl- und Metallindustrie zu festigen", soll neben dem Berliner Werk auch die Produktion in Kanada mit 280 Beschäftigten geschlossen werden, im russischen Werk Vyazma ist eine Halbierung der Arbeitsplätze auf 600 vorgesehen.Man sei bemüht, sozialverträgliche Lösungen zu finden, heißt es in der Mitteilung.

Der Betriebsratsvorsitzende in Berlin, Peter Voß, wirft dem Konzern unterdessen "einseitigen Vertragsbruch" vor.Ucar hatte den Bereich "Großkohle" der EKL Anfang 1997 von der Treuhand-Nachfolgerin BvS mit damals 90 Beschäftigten übernommen und dabei die Sicherung von 60 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2001 garantiert.Laut Voß schreibt der Betrieb schwarze Zahlen.Voß räumte ein, daß das Werk, das eng mit jenem in Rußland zusammenarbeitet, wegen der Krise dort Schwierigkeiten habe.Den Beschluß, das Werk zu schließen, könne er aber nicht nachvollziehen.Für die Beschäftigten, die überwiegend älter seien, "bedeutet das Arbeitslosigkeit", sagte er.Die EKL, die zu DDR-Zeiten 3000 Menschen beschäftigte, war von der Senatsverwaltung auch als einer der neun "industriellen Kerne" definiert worden, die erhalten werden sollen.Die BvS bestätigte, daß Gespräche mit den Amerikanern liefen."Sollte Ucar seine Zusagen nicht erfüllen, werden wir unsere vertraglichen Rechte geltend machen", sagte eine Sprecherin.Der zweite EKL-Bereich, der zu SGL Carbon gehört, ist nicht betroffen.

Die Krise in Rußland hat unterdessen ein weiteres Opfer gefordert.Die Schweriner Keramik Elektro- und Gasherde GmbH, die einen großen Teil ihres Umsatzes von zuletzt 16 Mill.DM in Rußland erzielt und dafür auch spezielle Herde entwickelte, mußte nun Antrag auf Gesamtvollstreckung stellen.

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