Wirtschaft : Teldafax AG: Telefonanbieter darf wieder ans Netz

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Die Deutsche Telekom muss die finanziell angeschlagene Teldafax AG wieder ans eigene Netz anschließen. Der Marburger Telekommunikationsanbieter hat nach eigenen Angaben eine entsprechende einstweilige Verfügung beim Landgericht Köln erwirkt. Die verpflichte die Deutsche Telekom die Zusammenschaltung mit dem Netz der Teldafax unverzüglich wiederherzustellen. Teldafax muss allerdings bestimmte Auflagen erfüllen.

Die Deutsche Telekom hatte die Verbindungen zu Teldafax am 5. April abgeschaltet. Sie zog damit nach eigenen Angaben die Konsequenzen aus Schulden in Höhe von 90 Millionen Mark, die Teldafax bei der Telekom angehäuft hatte. "Wir haben dagegen geklagt, weil die Telekom die Gespräche einfach abgebrochen hat", sagte ein Teldafax-Sprecher. Teldafax habe der Telekom angeboten, Leistungen künftig gegen Vorkasse zu beziehen. "Das wäre ein sicheres Geschäft für die Telekom gewesen: erst Geld kassieren und dann die Leistung erbringen." Doch die Telekom habe abgelehnt und dann abgeschaltet. Damit habe die Telekom eindeutig ihre Macht missbraucht, sagte der Teldafax-Sprecher. Die Auflagen des Gerichts werde Teldafax erfüllen: Um wieder ans Netz zu gehen, muss Teldafax wöchentlich fünf Millionen Mark im Voraus an die Telekom überweisen und zudem einmalig weitere fünf Millionen Mark auf ein Garantiekonto einzahlen. "Wir hoffen, dass die Telekom mit dem wieder Anschalten genauso schnell ist, wie sie es beim Abschalten war."

Ein Sprecher der Telekom sagte, dass das Unternehmen gegen die Verfügung Widerspruch eingelegt hat. "Wir werden mit aller Entschiedenheit dagegen vorgehen." Denn es gebe nach wie vor weder einen Schuldentilgungsplan von Teldafax noch seien Zahlungen in Aussicht gestellt. Das Marburger Unternehmen könne sofort wieder ans Netz, wenn es die aufgelaufenen Verbindlichkeiten bezahlt habe. "Wir sind nicht die Hausbank des Wettbewerbs", sagte ein Sprecher.

Insgesamt sollen alle privaten Wettbewerber der Telekom zusammen mit 500 Millionen bis einer Milliarde Mark bei dem Ex-Monopolisten in der Kreide stehen. Eine genaue Zahl will die Telekom nicht nennen. Sie hat aber bestätigt, 31 ultimative Zahlungsaufforderungen verschickt zu haben. Auch der Düsseldorfer Netzbetreiber Isis hat so einen blauen Brief erhalten. "Die Sperrandrohung kam für uns vollkommen unerwartet", heißt es bei Isis. "Wir hatten keine fälligen Rechnungen, die noch offen waren." Inzwischen habe die Telekom im Fall von Isis die Drohung, die Leitungen abzuschalten zurückgenommen und sich schriftlich entschuldigt. Doch damit ist die Sache nicht aus der Welt. Die Kunden seien erheblich verunsichert: Ist mein Anbieter solvent? Was passiert, wenn er abgeschaltet wird?

"Die Telekom versucht massiv Druck aufzubauen und die Kunden zu verunsichern", sagt Marion Krause vom Branchenverband VATM, in dem sich viele Wettbewerber der Telekom zusammengeschlossen haben. Ziel der Telekom sei es, die unliebsamen Wettbewerber vom Markt zu drängen. Viele Unternehmen hätten Rechnungen erhalten, die nicht nachvollziehbar gewesen seien. Die Telekom habe sie aufgefordert alles zu bezahlen - oder die Leitungen würden abgeschaltet. Es gebe zwar Firmen, die in finanzielle Nöte geraten seien, doch das treffe eben nicht auf alle zu. "Die ganze Branche gerät in den Ruf, zahlungsunfähig zu sein. Dem ist nicht so", sagt Krause.

In Zahlungsschwierigkeiten geraten vor allem die Unternehmen, die sich auf das Geschäft mit den billigen Ferngesprächen konzentriert haben. Hier sind die Margen immer kleiner geworden, nicht zuletzt, weil auch die Telekom die Preise massiv gesenkt hat. Auch der Münchner Anbieter Callino ist in Bedrängnis geraten. Man sei nur eine Monatsrechnung im Rückstand gewesen, sagt ein Sprecher des Unternehmens. Doch die Telekom habe sich auf keine Kompromisse eingelassen. "Über zwei Jahre hat die Zusammenarbeit mit der Telekom gut funktioniert", sagt der Callino-Sprecher. "Jetzt fährt sie plötzlich eine andere Linie." Das bestätigt auch ein Sprecher der Telekom: "Das Marktumfeld hat sich geändert. Früher war es für die Unternehmen leichter, sich Kapital zu beschaffen. Das trifft jetzt nicht mehr zu."

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