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Teldafax bittet zur Kasse : Der Insolvenzverwalter macht Ernst

10.12.2012 14:30 Uhrvon
Im Auftrag der Gläubiger. Verwalter Biner Bähr treibt Kundengelder ein.Bild vergrößern
Im Auftrag der Gläubiger. Verwalter Biner Bähr treibt Kundengelder ein. - Foto: picture alliance / dpa

Nach der Pleite des Energieversorgers treiben jetzt Inkassounternehmen offene Rechnungen ein – auch bei Kunden, denen die Firma noch Geld schuldet.

Der Insolvenzverwalter des Pleiteversorgers Teldafax macht Ernst. Biner Bähr lässt offene Rechnungen von Exkunden durch Inkassounternehmen eintreiben. Und zwar auch dann, wenn die Verbraucher unterm Strich noch Geld vom insolventen Versorger verlangen können.

So wie im Fall von Thilo R. und seiner Familie. Gut 340 Euro soll der Kleinmachnower zahlen: 268 Euro für die noch offene Gasrechnung, der Rest sind Spesen von Teldafax sowie Gebühren und Auslagen des Inkassounternehmens Creditreform. Was Thilo R. ärgert: Teldafax schuldet ihm noch Geld. Denn der Brandenburger hatte auch seinen Strom über den Billigversorger bezogen. 600 Euro stehen ihm hier noch zu, weil er den Strom bereits im Voraus bezahlt hatte, als der Troisdorfer Lieferant im Juni vergangenen Jahres Insolvenz anmeldete.

„Unterm Strich müsste ich also noch über 300 Euro erhalten, statt selbst zu zahlen“, ärgert er sich.

Der Sprecher des Insolvenzverwalters, Wolfgang Weber-Thedy, spricht von „Einzelfällen“, in denen es zu einer solchen Konstellation kommt. Die Mehrzahl der 750 000 Exkunden könne Guthaben und Nachforderungen miteinander verrechnen. Wie viele „Einzelfälle“ von dieser Möglichkeit ausgeschlossen sind, könne er jedoch nicht sagen, betont Weber-Thedy: „Teldafax hatte 1000 verschiedene Vertragsvarianten mit jeweils unterschiedlichen juristischen Konsequenzen.“

Im Netz wimmelt es dagegen von Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie Thilo R. Das Grundproblem: Ihr Energielieferant Teldafax Energy hat zwar seine Forderungen gegen die einstigen Kunden an eine Schwestergesellschaft, die Teldafax Services, abgetreten, Schulden, die das Unternehmen bei seinen Kunden hat, jedoch behalten. „Eine Verrechnung zwischen den früheren Schwesterunternehmen gibt es nicht“, betont Weber-Thedy. Dass beide zum selben Konzern gehörten, sei egal. „Der Konzernzusammenhalt entfällt bei einer Insolvenz.“

Verbraucherschützer bewerten den Fall unterschiedlich. Bernd Ruschinzik, Jurist bei der Verbraucherzentrale Berlin, rät, die Forderung zu bezahlen. Eine Verrechnung sei nicht möglich, weil es sich um zwei verschiedene Unternehmen handele. Edda Costello von der Verbraucherzentrale Hamburg sieht das anders: „Dass der Insolvenzverwalter jetzt mit einem Inkassounternehmen kommt, ist nur eine Strategie, um die Leute einzuschüchtern und zur Zahlung zu drängen“, kritisiert die Verbraucherschützerin. Sie rät dazu, nicht zu zahlen.

Verbraucher, die ihrem Rat folgen, müssen jedoch damit rechnen, vor Gericht zu landen. „Es wird geklagt“, betont Weber-Thedy. Immerhin sei der Insolvenzverwalter verpflichtet, offene Forderungen einzutreiben. Thilo R. hat darauf keine Lust. Er hat gezahlt, obwohl er das nicht einsieht. Nun kann der Exkunde nur darauf hoffen, dass der Insolvenzverwalter so viel Geld einsammelt, dass Thilo R. zumindest einen Teil seiner überzahlten Stromrechnung wiedersieht.

Ob das klappt, hängt nicht zuletzt von den Verhandlungen ab, die Bähr derzeit mit der Hauptzollverwaltung und dem Bundesligisten Bayer Leverkusen führt, der in besseren Zeiten auf seinen Trikots Werbung für Teldafax gemacht hatte. Insgesamt geht es dabei um einen dreistelligen Millionenbetrag. Ob und wann das Geld fließt, ist unklar. Sicher ist nur: Das Insolvenzverfahren dürfte sich noch jahrelang hinziehen. Thilo R. braucht viel Geduld.

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