Wirtschaft : Teldafax hat neuen Geldgeber

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Der Sanierer. Hans-Gerd Höptner (links neben Aufsichtsratschef Peter Döhmen) soll Teldafax retten. Foto: dapd
Der Sanierer. Hans-Gerd Höptner (links neben Aufsichtsratschef Peter Döhmen) soll Teldafax retten. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Der angeschlagene Strom- und Gasanbieter Teldafax hat einen neuen Investor und will mit dessen Hilfe seine Schulden bei den Netzbetreibern zurückzahlen. Damit will der Billigstrom- und -gasanbieter weiter im Geschäft bleiben. Der neue Gesellschafter, die Prime Mark Financial Group aus Zypern, stelle einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag zur Verfügung, teilte das Energieunternehmen am Montag mit. Prime Mark steigt mit 51 Prozent ein und löst den Finanzinvestor CPA Invest ab, der sich erst vor zwei Wochen bei Teldafax eingekauft hatte.

„Der neue Investor kommt genau zum richtigen Zeitpunkt“, sagte Teldafax-Vorstandschef Hans-Gerd Höptner. Das Unternehmen aus Troisdorf, das bundesweit rund 600 000 Strom- und 200 000 Gaskunden hat, braucht dringend frisches Kapital. Weil Teldafax seine Schulden nicht bezahlt hat, haben in den vergangenen Tagen zahlreiche Netzbetreiber die Lieferverträge gekündigt oder mit der Kündigung gedroht. In solchen Fällen müssen sich die Kunden einen neuen Anbieter suchen. Tun sie das nicht, erhalten sie ihre Energie vom ortsansässigen Grundversorger – zu unattraktiven Preisen. In Berlin sind die rund 8400 Gaskunden von Teldafax von diesem Problem betroffen. Weil das Unternehmen der Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg (NBB) rund 500 000 Euro schuldet, hat die NBB den Lieferrahmenvertrag zum 31. März gekündigt. Stromkunden müssen sich dagegen in Berlin – anders als in anderen Städten – bislang keine Sorgen machen, da Vattenfall seit einigen Monaten mit Teldafax auf Vorkassebasis arbeitet. Die nächste Rate ist Anfang April fällig.

Mithilfe des neuen Investors will Teldafax seine Kunden halten. „Wir versuchen, die Beendigung rückabzuwickeln oder Kündigungen zu verhindern“, kündigte Teldafax-Sprecher Thomas Müller an. 20 000 Kunden hat das Unternehmen aber nach eigenen Angaben bereits wegen der Kündigung der Lieferverträge durch die Netzbetreiber verloren. Mögliche Vorkassezahlungen für die Strom- oder Gaslieferungen sollen diesen Kunden erstattet werden, verspricht Müller: „Wir haben genug Geld.“ Allerdings dauere es zwei Monate, bis die Schlussabrechnung fertig sei. Ob Teldafax mit dem neuen Investor seine Zahlungsprobleme in den Griff bekommt, bleibt abzuwarten. „Bei uns ist bis heute Abend kein Euro von Teldafax eingegangen“, sagte NBB-Sprecher Carsten Döring dem Tagesspiegel am Montag. Pro Woche wachsen die Schulden allein bei der NBB um 50 000 bis 60 000 Euro an.

Verbraucherschützer raten den Kunden, aktiv zu werden und ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Stromkunden sollten ihre Beiträge jetzt nicht mehr überweisen, sondern das Geld vom Konto abbuchen lassen. Der Vorteil: „Dann kann man die Bank innerhalb von sechs Wochen auffordern, das Geld zurückzubuchen, falls es ein Problem gibt“, betont Bernd Ruschinzik von der Verbraucherzentrale (VZ) Berlin. Stromkunden, die jetzt kalte Füße bekommen und lieber zu einem anderen Anbieter wechseln möchten, können den Vertrag während der Laufzeit jedoch nicht vorzeitig kündigen, warnt der Jurist.

Auch Gaskunden, die Vorkasse geleistet haben, können sich ihre Vorausentgelte für den Zeitraum ab April innerhalb von sechs Wochen zurückholen, wenn das Geld vom Konto abgebucht worden ist. Wer seine Beiträge überwiesen hat, tut sich schwerer, an sein Geld zu kommen. Ruschinzik rät, Teldafax eine Frist zu setzen und das Unternehmen aufzufordern, innerhalb dieser Frist das Geld zurückzuzahlen. Notfalls solle man per Mahnbescheid gegen das Unternehmen vorgehen, rät Ruschinzik.

Betroffene Verbraucher sollten sich zudem möglichst schnell nach einem anderen Gaslieferanten umsehen. Wer sich innerhalb von sechs Wochen einen neuen Versorger sucht, spart Geld, weil der neue Vertrag rückwirkend ab dem 1. April gilt, berichtet NBB-Sprecher Döring. Wer diese Frist verstreichen lässt, wird und bleibt dagegen bis zu einem möglichen späteren Wechsel automatisch Kunde der Gasag und bezieht sein Gas zum teureren Grundversorgungstarif. Heike Jahberg

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