Wirtschaft : Telecom Italia wehrt sich gegen Olivetti-Kampagne

MAILAND .Drei Werktage nach dem offiziellen Start des Übernahmeangebots von Olivetti für Telecom Italia hat Olivetti-Chef Roberto Colaninno das Fusionsprojekt mit der Deutschen Telekom als illegitim bezeichnet.Nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung "Il Sole 24 Ore" vom Dienstag schickte Olivetti in seiner Rolle als Telecom-Aktionär einen Protestbrief an den Rechnungsprüferausschuß der Telecom Italia.

Die Anti-Olivetti-Anzeigenkampagne der Telecom Italia, der Verkauf der Pay-TV-Gesellschaft Stream an Murdoch sowie das Fusionsübereinkommen mit der Deutschen Telecom seien illegitim, heiße es in dem Brief.Nach dem italienischen Übernahmegesetz dürfe ein Unternehmen, für das ein Übernahmeangebot vorliegt, keine Operationen vornehmen, die dem Ziel der Offerte zuwiderlaufen.Das Fusionsprojekt mit der Deutschen Telekom sei aber genau zu dem Zweck entstanden, den Aktionären eine Alternative zur Olivetti-Offerte zu bieten.Um gegen die Anzeigenkampagne der Telecom Italia zu protestieren, habe sich Olivetti auch an die Börsenaufsicht gewandt.

Vor Analysten in Mailand warf Colaninno dem Telecom Italia-Chef Franco Bernabè und dem Deutsche Telekom-Chef Ron Sommer Geschwätzigkeit und Stilverlust vor.Bei Franco Bernabè diagnostizierte Colaninno ein empfindliches Nervenkostüm, so daß er sich jetzt mit dessen menschlichen Schwächen herumschlagen müsse.

Die Anzeigenkampagne der Telecom Italia, gegen die Olivetti protestiert, warnt die Aktionäre vor der feindlichen Übenahme."Es kann ihrem Portefeuille schweren Schaden zufügen" und "Betreiben sie nicht den Ausverkauf Ihrer Aktien", heißt es in ganzseitigen Anzeigen.Es sei nicht wahr, daß Olivetti 22 000 Lire pro Aktie biete."In Wirklichkeit bietet Olivetti nur 13 400 Lire.Der Rest ist Papier", behauptet Telecom Italia.

Der Andrang der verkaufswilligen Telecom-Aktionäre ist bisher minimal.Beobachter gehen allerdings davon aus, daß die Mehrheit der Aktionäre erst in der letzten Woche der Zeichnungsfrist eine Entscheidung treffen wird.Viele Analysten warten angesichts der zahlreichen Unbekannten erst einmal ab und beobachten, wie die übrigen Aktionäre sich verhalten.

Eine Gruppe von internationalen Investmentfonds hat die italienischen Aufsichtsbehörden unterdessen darauf aufmerksam gemacht, daß die Rechte der Inhaber von Sparaktien sowohl im Rahmen der Übernahmeofferte wie des Fusionsprojekts übergangen werden.Die Fonds, die zusammen rund 25 Prozent der Sparaktien halten, drohen mit der Einberufung einer Versammlung der Sparaktionäre, die beide Operationen blockieren könnte.

EU-Wettbewerbskommissar Karel Van Miert wies am Dienstag in Hannover noch einmal darauf hin, daß die geplante Fusion nur unter weitgehenden Auflagen genehmigt werde.

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