Wirtschaft : Telefon-Boom geht weiter

BONN (uso/HB). Die größte Überraschung bescherten die neuen Wettbewerber im Telekommunikationsmarkt ihren Aufpassern von der Regulierungsbehörde bei den Investitionen. Rund ein Drittel der 240 000 Kilometer Glasfaserkabel, die bis zum Jahresende unter Deutschlands Erde vergraben sind, gehören den zum Jahresanfang 1998 gestarteten Telekom-Konkurrenten. "Das ist ein positives Ergebnis, das wir so nicht erwartet hatten", freute sich Klaus-Dieter Scheurle, Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RTP), gestern in Bonn.

Auch sonst gibt der Halbjahresbericht der Behörde Anlaß zur Freude: Die fallenden Preise für Fern- und Auslandsgespräche haben bei den Deutschen einen wahren Telefonboom ausgelöst. Im Vergleich zum Vorjahr werden sie 1999 rund 20 Prozent mehr telefonieren, schätzt die RTP. Das wären dann mehr als 600 Mill. Minuten täglich, die in Deutschland am Telefon verplaudert werden. Das ist angesichts der Preisnachlässe kein Wunder: Im Vergleich zum Jahresbeginn 1998 war im Juni 1999 das günstigste Ferngespräch tagsüber um 85 Prozent billiger. Bei den Auslandsgesprächen liegen die Tarifsenkungen zwischen 47 und 89 Prozent. Vor allem Gespräche in die USA wurden deutlich billiger: Von 1,44 DM auf 0,16 DM an einem Werktag.

Gleichzeitig stieg die Zahl der Telefonanschlüsse dank des ISDN- Booms von 46,5 auf 48,5. Vor allem beim Mobilfunk erwartet der Regulierer wie schon in den Vorjahren auch 1999 hohe Zuwachsraten von rund 50 Prozent. "Der Mobilfunk hat den Eintritt in das Privatkundensegment geschafft", kommentierte RTP-Vizepräsident Arne Börnsen die Entwicklung.

Ende 1998 telefonierten in Deutschland 14 Millionen Menschen mobil, bis Jahresende 1999 sollen es 21 Millionen sein. Zum Halbjahr Ende Juni hatten die vier Mobilfunkbetreiber bereits 16,9 Millionen Kunden unter Vertrag. Davon telefonierten 42,2 Prozent über den Marktführer Mannesmann Mobilfunk, dicht gefolgt mit 41,2 Prozent vom D1-Netz der Deutschen Telekom. E-Plus verbuchte 15,4 Prozent der Kunden, die Ende vergangenen Jahres gestartete Viag Interkom 1,2 Prozent.

Im Festnetz steigerten die Telekom-Konkurrenten im ersten Halbjahr 1999 ihren Marktanteil auf 14 Prozent, gemessen am gesamten Telefonvolumen. Betrachtet man nur die Fern- und Auslandsgespräche und Gespräche in die Mobilfunknetze, liegt der Marktanteil bei 35 Prozent. Darin spiegelt sich das bisher größte Manko der Liberalisierung wider: In den Ortsnetzen fehlt der Wettbewerb bisher fast völlig.

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