Wirtschaft : Telefon-Gebühren: Preiskampf bei Ferngesprächen führt zu unlauteren Methoden

Maurice Shahd

Die Überschrift der Presseinformation wenige Tage vor der Funkausstellung war nur drei Worte lang: "Arcor integriert Otelo". Integrieren heißt in diesem Fall auflösen. Damit verschwindet eine der bekanntesten Marken für Call-by-Call-Gespräche vom deutschen Markt. Doch die Otelo-Kunden haben Glück. Anders als bei den Pleiten von Teldafax, Callino und Star Telecom hat Otelo mit Arcor eine starke Muttergesellschaft im Rücken, die sämtliche Kunden übernimmt. Sogar die Call-by-Call-Vorwahl 01011 bleibt erhalten.

Das Sterben der Telefonanbieter hat zwar erstmals seit Jahren zu einem leichten Preisanstieg bei innerdeutschen Ferngesprächen geführt, doch Call-by-Call lohnt sich nach wie vor. Beim Call-by-Call kann der Kunde einen anderen Anbieter als die Telekom nutzen, indem er bei jedem Telefonat eine fünf- oder sechsstellige Nummer vor der eigentlichen Rufnummer wählt. "Bei Gesprächen innerhalb Deutschlands ist die Telekom immer noch bis zu dreimal teurer als die Wettbewerber", sagt Tarifexperte Uwe Rosenhahn vom Internetdienst Billiger-Telefonieren. Doch der Preiskampf hat seine Spuren hinterlassen. Die krisengeschüttelten Anbieter tricksen gerne bei den Preisangaben oder der Taktung der Gespräche. Daher sollten Verbraucher die Call-by-Call-Tarife genau vergleichen.

Seit der Öffnung des Telekommunikationsmarktes im Januar 1998 wurde das Studieren von Tariftabellen zum Volkssport. Die Preise gingen seitdem kontinuierlich bergab. Doch damit ist es erstmal vorbei. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist der Preis für Ferngespräche innerhalb Deutschlands im Juni erstmals seit Jahren spürbar gestiegen. Die Tarife kletterten um 1,1 Prozent gegenüber Mai und um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit nicht genug: Der Verband der Telekommunikationsunternehmen VATM schätzt, dass die Preise bis zum Jahresende um zehn bis 15 Prozent steigen könnten.

Doch ob es dazu kommt, ist fraglich. Immer noch tummeln sich fast 40 Anbieter, die Call-by-Call ermöglichen. "Zwar haben einige Firmen die Preise für innerdeutsche Gespräche angehoben, die Auslandstarife sinken aber weiter", sagt Tarifexperte Rosenhahn. Und günstiger als die Telekom seien die meisten Anbieter allemal. "Die Preise haben ein Niveau erreicht, bei dem die Unternehmen kaum noch Geld verdienen." In dieser Situation scheinen manche Firmen zu unlauteren Methoden zu greifen. Allen voran Mobilcom. Die Büdelsdorfer verdoppelten kurzerhand die Preise für Gespräche in ausländische Mobilfunknetze, ohne die Öffentlichkeit zu informieren. Erst nach einem Monat und zahlreichen Kundenbeschwerden reagierte das Unternehmen.

Bei Verbraucherschützern sorgt die Abrechnung im Minutentakt für Unmut. Unter dem Titel "Mit Minuten Mäuse machen" weist die Verbraucherzentrale Sachsen in einer Mitteilung auf das Problem hin. Die meisten Anbieter rechneten die Gespräche nach Minuten und nicht nach Sekunden ab. Der Kunde zahlt also für angebrochene Minuten immer den vollen 60-Sekunden-Preis. Doch der Geschäftsführer des Internet-Vergleichsdienstes Verivox, Nikolaus Starzacher, gibt Entwarnung: "Da inzwischen fast alle Anbieter pro Minute abrechnen, wirkt sich das auf die Preise kaum aus." Unübersichtlich werde es aber, wenn die Telefonunternehmen plötzlich im Zwei-Minuten- oder, wie zeitweise bei Onetel, sogar im Vier-Minuten-Takt abrechnen.

Zu beobachten sei, dass viele Call-by-Call-Anbieter wie Tesion inzwischen eine Zusatzgebühr für jedes einzelne Gespräch verlangen. Daher lohne der regelmäßige Blick in die Vergleichstabellen in Zeitungen oder im Netz. Sonst könnten Kunden eine böse Überraschung erleben. Tarifexperte Rosenhahn: "Die Tarife ändern sich schneller, als man denkt. Wer sich nur eine Nummer merkt, zahlt plötzlich für Call-by-Call mehr als bei der Telekom."

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