Wirtschaft : Telefon-Nepp im Minutentakt

Viele unseriöse Dienste unter den 0190-Nummern DÜSSELDORF (AP).Das Stellenangebot war äußerst verlockend: 10 000 DM monatlich für einen Job auf einer Ölbohrinsel versprach die Zeitungsannonce.Unter der 0190-Telefonnummer hörten die Interessenten jedoch nur unnütze Bewerbungstips und waren zum Schluß um ein paar Mark ärmer."Ein typisches Beispiel für Kundennepp", sagt Achim Wehrmann von der Deutschen Telekom.Er muß es wissen, denn der Leiter des konzerninternen Verbraucherschutzes zieht jährlich rund 100 unseriöse 0190-Anbieter aus dem Verkehr. Ob preiswerte Wohnungen, billige Autos oder günstige Kredite - windige Anbieter locken die Kunden mit allen Tricks ans Telefon.Auch endlose Warteschleifen, langatmige Bedienungshinweise oder das Verschweigen der Gebühren zählen zu den Tricks für die schnelle Mark am Telefon.Immerhin liegen die Minutenpreise je nach Tarif zwischen 80 Pfennig und 3,60 DM.Die Telekom beteuert, daß alle unseriösen Anbieter die ertappt werden, aus dem Verkehr gezogen werden."Jeder Service wird von uns anonym getestet", sagt Wehrmann.Rund 1200 Kunden beschweren sich zudem jährlich per Servicenummer 01113 über Nepp am Telefon.Etwa 20 Abmahnungen spricht Wehrmann monatlich aus.Wer dann erneut beim Abkassieren erwischt wird, bekommt den Vertrag gekündigt. Die Kontrolle der 0190-Nummern wird immer wichtiger, denn der Markt ist geradezu explodiert.Gab es 1995 rund 160 Anbieter mit 6400 Nummern, sind es jetzt 800 Anbieter mit 90 000 Nummern.Rund 80 Prozent der Nummern sind Unterhaltungsangebote mit Erotik, Gewinnspielen oder Infos über den bevorzugten Fußballverein.Der Rest besteht aus Servicediensten wie Wetterberichte, Börsennachrichten oder Konferenzschaltungen. Für die Telekom sind die 0190-Nummern eine wahre Goldgrube.Experten schätzen den Umsatz für 1997 auf rund 500 Mill.DM.Immerhin läßt sich die Telekom den teuersten 0190-Tarif von 3,60 DM minütlich mit 74 Pfennig honorieren.Für den, der einem betrügerischen Angebot aufgesessen ist, gibt es jedoch wenig Trost.Denn Geld erstattet die Telekom auch bei erwiesenem Schwindel nicht.Verbraucherschützer raten daher, besonders vorsichtig zu sein.

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