Wirtschaft : Telefonanbieter prüfen Preiserhöhungen

2005 steigen Gebühren für Gespräche in Stadtnetze

Corinna Visser

Berlin – Im kommenden Jahr könnte das Telefonieren über Call-by-Call teurer werden. Hintergrund ist, dass die Betreiber von städtischen Telefonnetzen ab 2005 mehr Geld von anderen Anbietern verlangen, wenn diese Anbieter Telefongespräche ihrer Kunden in die Netze der Stadtnetzbetreiber leiten. „Die Preise werden steigen“, sagt ein Sprecher der Callax- Gruppe, zu der die Call-by-Call-Vorwahlen 01058, 01030 und 01077 gehören. Beim Konkurrenten 01051 Telecom heißt es, „wir werden das durchrechnen und dann überlegen, ob wir die Preise anpassen.“ Auch Arcor und Freenet wollen den Markt sehr genau beobachten. Die erste Preiserhöhung hat es aber bereits gegeben. Der Anbieter 01071 Telecom verlangt für ein Gespräch zu einem Kunden, der seinen Anschluss nicht mehr bei der Telekom hat, rund um die Uhr 3,8 Cent statt 0,8 bis 1,4 Cent.

Die Anbieter von Call-by-Call arbeiten mit extrem geringen Margen. Bei manchen Biligangeboten zahlen die Anbieter sogar drauf. Daher kann schon ein noch so geringer Anstieg der Kosten dazu führen, dass das gesamte Preisgefüge durcheinander gerät. „Wenn die Stadtnetzbetreiber höhere Gebühren verlangen, müssen die wieder reinkommen“, sagt ein Sprecher von 01051 Telecom. „Niemand hat etwas zu verschenken.“

Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post in Bonn hat den Stadtnetzbetreibern erlaubt, ab Mai 2005 von der Deutschen Telekom einen Aufschlag zu verlangen, wenn die Telekom Gespräche zu Kunden von Stadtnetzbetreibern weiterleitet. Der Zuschlag beträgt 25 Prozent der ohnehin anfallenden Zusammenschaltungskosten. Das macht im Schnitt netto etwa 0,17 Cent pro Minute aus. Die Begründung: Die alternativen Teilnehmernetzbetreiber sollen in dieser Form einen Ausgleich für den späteren Start und für die derzeit noch geringere Kundenzahl im Vergleich zur marktbeherrschenden Telekom erhalten. Nach Branchenschätzungen werden bis Ende 2004 etwa 2,2 Millionen Kunden ihre Anschlüsse bei alternativen Netzbetreibern haben – im Vergleich zu mehr als 40 Millionen bei der Deutschen Telekom.

Die Telekom wird den Aufschlag, den sie bezahlen muss, an ihre Kunden weitergeben. Darauf weist sie in den Telefonrechnungen hin, die sie derzeit verschickt. Künftig wird sich der Preis für ein Gespräch also auch daran orientieren, bei welcher Telefongesellschaft der Angerufene seinen Anschluss hat. Weil der Anrufer das aber nicht unbedingt weiß, wird die Telekom ab Mai eine kostenlose Nummer schalten, bei der man das erfragen kann.

Kunden der Telekom sind aber auch die Call-by-Call-Anbieter, die den Aufschlag ebenfalls bezahlen müssen. Denkbar ist, dass sie ihr Preisniveau insgesamt leicht anheben oder eben – wie bei 01071 bereits erfolgt – zwei verschiedene Preise berechnen. Callax tendiert wohl auch zu der zweiten Variante: „Eine Mischkalkulation wird auf dem niedrigen Preisniveau nicht helfen“, sagt der Sprecher. Immerhin: Bei vielen Call-by-Call- Anbietern gibt es vor jeder Verbindung eine kostenlose Ansage des gerade geltenden Tarifs. Ein Service, den die Deutsche Telekom nicht bietet.

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