Wirtschaft : Telefonieren statt Röhren produzieren - an der Börse zählt die Telekommunikation

Jobst-Hinrich Wiskow

Von den Mannesmann-Röhrenwerken spricht keiner mehr - schon gar nicht an der Börse. Da gilt die Aktie des fast 50 Jahre alten Düsseldorfer Unternehmens nämlich inzwischen als Telekommunikationswert. Mannesmann hat sich binnen einiger Jahre von einem Stahlriesen in ein Telefonunternehmen verwandelt. Die Börse honoriert den Mut des Konzerns. Investoren sind bereit, für eine Aktie mehr als das 80fache des Gewinns pro Anteilschein zu bezahlen. Damit ist sie die teuerste unter den 30 Werten im Deutschen Aktien-Index Dax.

Der Umbau des Industriegiganten in einen Dienstleistungskonzern könnte die Veränderung der gesamten Gesellschaft symbolisieren. Doch dokumentiert er zugleich, wie Schwer dieser Wandel fällt. Denn die Unternehmen, die bei den Anlegern Phantasie wecken, sind Mangelware. Die Dienstleister im Dax sind die traditionellen Banken, Versicherer und Handelsfirmen, ein einziger Newcomer, SAP, die Deutsche Telekom - und Mannesmann. Daß sich die Strategie auszahlt, beweisen die aktuellen Geschäftszahlen: Mannesmann berichtet über einen Verlust im alten Röhrengeschäft und einen Gewinn im neuen Telefongeschäft. Der Mut wurde belohnt. Dabei garantieren Konzernumbauten keinen Erfolg. Nur: Was wäre die Alternative gewesen? Das Festhalten an den traditionsreichen Geschäftsfeldern hätte im Desaster geendet. Mannesmann wäre ein Sanierungsfall und kein Top-Titel. Der Lohn für die Aktionäre waren eklatante Kurssteigerungen, auch wenn die Aktie am Donnerstag drastisch fiel. Und für die Arbeitnehmer? Geht der Gesellschaft wegen des Strukturwandels etwa die Arbeit aus? Das Beispiel Mannesmann straft das Klischee lügen: Mannesmann beschäftigt heute gut 120 000 Mitarbeiter - das sind etwa genau so viele wie vor zehn Jahren.

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