Wirtschaft : Telekom AG: Anleger verlieren den Zukunftsglauben

Corinna Visser

Lachen Sie auch über die armen Teufel, die Telekom-Papiere im Depot haben? Tatsächlich ist es zur Zeit keine Freude, T-Aktionär zu sein. Wenn jemand wenigstens gute Gründe nennen könnte, warum das Papier stetig auf dem Weg in den Keller ist. Dann wäre die Talfahrt womöglich leichter verschmerzbar. Tatsächlich hat die Telekom einen riesigen Schuldenberg von 60 Milliarden Mark aufgebaut. Aber es gibt trotzdem keine Anzeichen dafür, dass das Unternehmen seinen Schuldendienst nicht mehr leisten kann oder gar in eine finanzielle Schieflage gerät. Also, warum die Panik? Beim Börsengang 1996 hatte die Telekom Schulden in gleicher Höhe. Damals war das gar kein Thema. Was hat sich inzwischen geändert? Genau vor einem Jahr kannte die Euphorie für die Telekom-Werte keine Grenzen. Die Kurse schossen in schwindelerregende höhen. Jetzt testen die Anleger das andere Extrem. Egal, welche Meldungen aus der Branche kommen, in allen wird nach etwas Negativem gesucht - und auch gefunden. Die Telekom-Konzerne sind nicht unschuldig daran. Gerade im Zusammenhang mit dem neuen Multimedia-Mobilfunk haben sie das Blaue vom Himmel versprochen. Der Anleger will aber nicht über Zukunftsphantasien staunen, sondern Profite sehen. Auf die wird er aber noch einige Jahre warten müssen, denn noch stehen die neuen Netze nicht. Der T-Aktionär kann im Moment nur auf eines hoffen: Dass sich plötzlich am Markt die Überzeugung verbreitet, Telekom-Werte seien sehr günstig zu haben. In der Sprache der Analysten heißt das: Alle negativen Meldungen sind draußen, schlimmer kann es nicht mehr kommen. Es muss also wieder aufwärts gehen.

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