Wirtschaft : Telekom-Aktionäre bangen um ihre Dividende

Unternehmen überrascht mit Risikovorsorge in Milliardenhöhe und gibt der Regulierungsbehörde die Schuld BONN (sm/HB).Die Deutsche Telekom hat am Dienstag angekündigt, für drohende Risiken im Sachanlagevermögen eine bilanzielle Vorsorge in Höhe von 3,5 bis 4,5 Mrd.DM für das laufende Geschäftsjahr zu treffen.Als Grund dafür nannte Telekom-Vorstand Gerd Tenzer die Entscheidung der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RTP), nach der die Telekom gezwungen werde, die Kabelentgelte zum 1.Januar 1999 zu senken.Die notwendige Risikovorsorge werde "zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Ergebnisses der Deutschen Telekom im Jahr 1998 führen", erklärte das Unternehmen am Dienstag in einer Pflichtmitteilung.Telekom-Chef Ron Sommer und Finanzvorstand Joachim Kröske reisten anschließend nach New York, um amerikanischen Analysten die Entwicklung des Unternehmens, dessen Aktien auch in New York gehandelt werden, zu erläutern.In Bonn warf Kabel-Vorstand Tenzer der Regulierungsbehörde vor, der Bescheid sei "rechtswidrig", weil er nach Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen Zweimonatsfrist ergangen sei.Er kündigte eine Klage vor dem Verwaltungsgericht Köln an.Mit der wolle die Telekom sowohl mit formalen als auch mit inhaltlichen Argumenten eine Aufhebung der Entscheidung durchsetzen.Tenzer kritisierte, die Regulierungsberhörde habe die Kalkulationsgrundlagen der Telekom für die Kabelentgelte in wesentlichen Punkten nicht akzeptiert.Das Unternehmen hatte in diesem Bereich im vergangenen Jahr einen Verlust von 1,3 Mrd.DM bei einem Umsatz von 3,1 Mrd.DM ausgewiesen.Tenzer kündigte an, daß Quersubventionen aus dem früheren Monopolbereich, dem lukrativen Telefongeschäft, im Wettbewerb künftig nicht mehr möglich seien.Daher wolle das Unternehmen nicht nur die Preise anpassen, sondern auch die Kosten senken.Darüber hinaus werde das Unternehmen die Vorkehrungen beschleunigen, den Kabelbereich auszugliedern.Der Vorstand werde die dazu nötigen Maßnahmen im Sommer beschließen, der Aufsichtsrat solle das Konzept im Herbst absegnen.Dabei gehe es vor allem um die Zuordnung von Mitarbeitern und Sachanlagen zwischen dem Kabelbereich und anderen Unternehmensteilen.Die Telekom suche Investoren, die bereit seien, den Kabelbereich im Jahr 1999 ganz oder in Teilen zu übernehmen."Wenn ein Investor kommt, sind wir bereit zu verkaufen", sagte Tenzer.In der Vergangenheit hatte insbesondere die EU-Wettbewerbsbehörde mehrfach die Telekom gedrängt, sich von ihrem Kabelnetz zu trennen.Es habe damals aber keine Übernahmeinteressenten gegeben, sagte Tenzer.An das Netz seien 17 Millionen Kunden angeschlossen, davon sechs Millionen direkt und elf Millionen über meist mittelständische Partnerunternehmen.Maßstab für den erwarteten "hohen Preis" seien Entgelte, die beim Verkauf von Kabelanschlüssen im Ausland gezahlt worden seien.Als mögliche Partner benannte Tenzer Betreiber von Fernseh-Kabelnetzen, Softwareunternehmen, Investmentbanken, die dann ihrerseits Partner für die Nutzung der Kabel suchen könnten, und Inhalteanbieter.Die Nutzung des Kabels sei nicht auf die Übermittlung von Fernseh- und Rundfunkprogrammen begrenzt, warb Tenzer um Investoren.Für zusätzliche Verwertungen des Kabelnetzes seien aber auch neue Investitionen erforderlich.Die Regulierungsbehörde wies die Vorwürfe der Telekom zurück.Ein Sprecher der Behörde sagte aber, eine neue Entscheidung sei möglich, wenn die Telekom dafür die Voraussetzungen schaffe.Der Präsident der Behörde, Klaus-Dieter Scheurle, hatte bei der Vorstellung der Entscheidung Ende April gesagt, die Telekom könne die angeordnete Entgeltsenkung für die Kabelnutzung zum 1.Januar 1999 abwenden.Sie müsse aber das Angebot für die Kunden verbessern oder in das Netz investieren.

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