Wirtschaft : Telekom-Aktionäre zeigen Geduld

Massenverkäufe nach Ende der Spekulationsfrist ausgeblieben / BHF-Bank empfiehlt zu kaufen

Berlin (alf).Die Kleinaktionäre der Deutschen Telekom zeigen Geduld.Am Dienstag kam es nicht zum großen Ausstieg aufgrund des Auslaufens der sechsmonatigen Spekulationsfrist.Zwar gab die T-Aktie zu Beginn des Handels deutlich ab, erholte sich jedoch bei häufigen Notierungen im Verlauf und endete schließlich auf dem Berliner Parkett mit 38,70 DM um 1,20 DM unter dem Stand vom Freitag.In Frankfurt gab die T-Aktie nur 0,80 DM ab.Im Vorgriff auf den 20.Mai hatten zunehmend Banken und Analysten auf das Kurspotential der Aktie hingewiewesen, was vor einer Woche den Effekt hatte, daß die T-Aktie auf über 41 DM stieg.Diese Kursentwicklung - der Ausgabepreis im vergangenen November hatte 28,50 DM betragen - wurde von Theo Waigel gestoppt: Überlegungen des Finanzministers, die leeren Bonner Kassen durch einen vorgezogenen Verkauf von T-Aktien zu füllen, verbilligten das Papier deutlich.Inzwischen macht sich wieder Optimismus breit, fast alle Banken raten gegenwärtig zu "Halten" oder sogar zum Kauf der Telekom. Die BHF-Bank beispielsweise kommt in ihrer Studie "Aktien-Strategie Deutschland" zur Empfehlung "Kaufen", nachdem sie ihren Kunden bislang "Halten" empfohlen hatte.Als Gründe nennt BHF-Analyst Jürgen Elfers die Kostenentlastung durch den Personalabbau, das Herunterfahren des Schuldenstandes, eine verbesserte Verwertung des Kabelnetzes, Wachstumspotentiale im deutschen Markt sowie positive Effekte durch die Steuerreform."Die Telekom dürfte der Gewinner der geplanten Steuerreform werden", schreibt Elfers.Allein der Wegfall von Vermögen- und Gewerbekapitalsteuer "dürfte eine Einsparung von ca.1,2 Mrd.DM ermöglichen".Setzt sich die Bonner Koalitition mit ihren Plänen durch, dann würde das höhere Ergebnis mit niedrigeren Ertragssteuern belastet.Somit könnte sich, so Elfers, 1999 "für die Telekom ein Nettoeffekt von bis zu 0,85 DM je Aktie einstellen".Schließlich würden nach Einschätzung der BHF-Bank die Telekom-Wettbewerber, die noch kräftig investieren müssen, von einer Verringerung der Abschreibungssätze stärker belastet als die Telekom. Den Stellenabbau betreffend rechnet die BHF-Bank vor, daß 3000 Mitarbeiter weniger ein "Einsparpotential" von rund 250 Mill.DM ausmachen.Im Schnitt beschäftigte die Telekom im vergangenen Jahr 207 000 Mitarbeiter.Aufgrund der zunehmenden Stellenstreichung im technischen Bereich "sehen wir deshalb eine hohe Wahrscheinlichkeit, daß das selbstgesteckte Ziel der Deutschen Telekom, zum Ende des Jahres 2000 nur noch 170 000 Mitarbeiter zu beschäften, sogar unterschritten werden dürfte".Und davon profitieren die Aktionäre.Nach einem DVFA-Ergebnis von 0,90 DM je Aktie in 1995 und 1,15 DM in 1996 erwartet die BHF-Bank für das laufende Jahr 2 DM und 1998 sogar 2,55 DM je Aktie.

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