Wirtschaft : Telekom-Anbieter NTL übernimmt Anteile von Veba, Siemens und Swisscom

Der größte Schweizer Kabelfernseh-Netzbetreiber kommt in britische Hände. Der Fernseh- und Telekom-Anbieter NTL zahlte für die Cablecom Holding AG nach Angaben von Montag 3,7 Milliarden Dollar oder rund 7,1 Milliarden Mark. Das 1994 gegründete Unternehmen mit Sitz in Zürich gehörte bislang zu gleichen Teilen der Siemens Schweiz AG, der Veba AG mit Sitz in Düsseldorf und der Swisscom AG aus Bern.

Die drei Anteilseigner hatten ihre Verkaufsabsicht im Sommer bekannt gegeben. Zu den Interessenten gehörten dem Vernehmen nach auch Rupert Murdochs Medienkonzern News Corp., der US-Software-Konzern Microsoft, Mannesmann und die Deutsche-Bank-Tochter DB Investor. NTL aus Hook in England habe das beste Angebot unterbreitet, sagte der Vorstandschef der Cablecom, Manfred Nagel, am Montag in Zürich. Nach Angaben von Händlern lag der Preis am oberen Ende der Erwartungen. Angesichts des erwarteten Kaufabschlusses waren die Swisscom-Aktien in Zürich vergangene Woche um 7,3 Prozent gestiegen.

Der Verkauf soll im nächsten Frühjahr abgeschlossen werden. Die Zustimmung der Aufsichtsbehörden steht nach Angaben der Swisscom noch aus. NTL will über den Kabelnetzbetreiber auch in das Schweizer Telefongeschäft einsteigen, kündigte das Unternehmen an. Weitere Investitionen in das Netz seien geplant.

NTL bietet breitbandige Telecom-Dienste in Großbritannien und Irland an und hat mehr als 2,2 Millionen Kunden. Im Sommer kündigte das Unternehmen die Übernahme des Privatkundengeschäfts von Cable & Wireless in Grossbritannien an. Die Kundenzahl steigt damit auf rund 3,4 Millionen. NTL beschäftigt in Großbritannien mehr als 12 000 Mitarbeiter.

Die Cablecom ist der größte Schweizer Kabelnetzbetreiber. Das Unternehmen ist in 700 Schweizer Gemeinden aktiv, versorgt mit über 1,3 Millionen Abonnenten etwa jeden zweiten Haushalt in der Schweiz. Mit 1300 Beschäftigten setzte Cablecom im vergangenen Jahr 562,5 Millionen Franken (675 Millionen Mark) um und erzielte einen Gewinn von 46,2 Millionen Franken.

Die Veba hat für ihren Anteil 1,7 Milliarden Mark erhalten. Damit erlöse der Konzern das siebzehnfache der 1994 getätigten Investition von 100 Millionen Mark. Zusätzlich zum Kaufpreis erhalte Veba ein Gesellschafterdarlehen in Höhe von knapp 350 Millionen Mark zurück, teilte das Unternehmen in Düsseldorf mit.

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