Wirtschaft : Telekom: Beruhigungspillen für die Anleger

Daniel Rhee-Piening

Die Geschichte liegt mehrere tausend Jahre zurück, doch sie hat nichts an Aktualität verloren. Der Überbringer schlechter Nachrichten wurde geköpft. Derzeit sucht die Deutsche Telekom einen Schuldigen für den Niedergang ihres Aktienkurses. Da bietet sich die Deutsche Bank doch an. Und Telekom-Chef Ron Sommer, nie um Schuldzuweisungen verlegen, läßt lauthals verkünden, man werde die Vorgänge um die Empfehlung der T-Aktien und den anschließenden Verkauf juristisch überprüfen. Schließlich sei ein Telekom-Börsenwert von fast 40 Milliarden Mark vernichtet worden. Dies ist wohlfeil, denn es verpflichtet zu nichts, stellt aber erst einmal die empörten Anteilseigner ruhig. Deren wachsenden Einfluss hat auch noch ein anderer erkannt. Der stellvertretende FPD-Vorsitzende Rainer Brüderle, den ein feines Gespür für populäre Themen auszeichnet. Die T-Aktie ist eine Volksaktie, und an den Stammtischen kann wieder über die raffgierigen Banken geschimpft werden. Also fordert der Liberale jetzt allen Ernstes eine staatliche Entschädigung für Spekulanten und eine Börsenaufsicht nach dem Muster der amerikanischen SEC.

Zu Recht muss sich die Deutsche Bank den Vorwurf gefallen lassen, bei der T-Aktie ohne jedes Gespür gehandelt zu haben. Der Interessenkonflikt zwischen ihrer Analyse- und ihrer Handelsabteilung wird nun auch vom Bundesamt für den Wertpapierhandel unter die Lupe genommen. Erneut wirft der Fall auch die Frage auf, ob die Kompetenzen des Bundesamtes für den Wertpapierhandel, des Bundesamtes für das Kreditwesen und des Bundesamtes für das Versicherungswesen nicht an einer Stelle gebündelt werden sollten. Sicherlich kann man die Frage nach einer schärferen Börsenaufsicht aufwerfen. Aber im vorliegenden Fall hätte auch eine SEC den Kursverfall der T-Aktie nicht verhindern können. Dafür gibt es eine ganz wesentliche Ursache: Die in den Augen der Börsianer wenig erfolgreiche Geschäftspolitik des Telekom-Vorstandes.

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