Wirtschaft : Telekom bietet Aktien als Lohn

Verdi nennt Plan „absurd“ – und bricht Gespräche ab

Corinna Visser

Berlin - Die Deutsche Telekom hat in der fünften Runde der Tarifverhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zum ersten Mal ein Angebot vorgelegt. Daraufhin hat die Gewerkschaft die Verhandlungen abgebrochen. Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder nannte das Angebot der Telekom „absurd“. Betroffen sind rund 110 000 Beschäftigte bei der Deutschen Telekom AG.

Die Telekom bot am Freitag eine Einmalzahlung in Höhe von 730 Euro für Arbeitnehmer und ein Aktienprogramm für alle Beschäftigten der AG an. „Wir lassen mit diesem Angebot die Mitarbeiter an dem erfolgreichen Geschäftsjahr 2005 teilhaben“, sagte Telekom-Personalvorstand Heinz Klinkhammer. Es berücksichtige hinsichtlich der zukünftigen Kostenbelastung jedoch zugleich die wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere bei der Festnetzgesellschaft T-Com. Die hat dank des scharfen Wettbewerbs mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen. Die Einmalzahlung ist nicht für Auszubildende, Beamte und die Mitarbeiter in der Beschäftigungsgesellschaft Vivento vorgesehen. Das Aktienprogramm sieht zwei Pakete für 2006 und 2007 vor.

Verdi dagegen fordert in der laufenden Tarifrunde unter anderem eine lineare Entgelterhöhung um sechs Prozent. Die Forderung von Verdi hat die Telekom bisher „entschieden zurückgewiesen“ und als realitätsfern bezeichnet.

Verdi werde am Sonnabend die große Tarifkommission einberufen, sagte Verhandlungsführer Schröder dem Tagesspiegel. „Sehr wahrscheinlich werden die Verhandlungen für gescheitert erklärt.“ Wenn die Arbeitgeber nicht einlenkten, würden die Warnstreiks aller Voraussicht nach an Intensität zunehmen. „Unsere Leute sind wütend“, sagte Schröder. Das Angebot der Telekom laufe darauf hinaus, dass die Beschäftigten zunächst einmal Aktien kaufen müssten, um an der allgemeinen Einkommensentwicklung teilhaben zu können. Im Angebot versteckt sei zudem eine Arbeitszeitverlängerung. „Das Angebot führt dazu, dass die Beschäftigten mehr arbeiten sollen und dafür mit einem Einmalbetrag abgespeist werden. Das ist nicht akzeptabel.“

Die Tarifverhandlungen finden in einem schwierigen Umfeld statt. Zwar hat die Telekom 2005 einen Rekordgewinn von 5,6 Milliarden Euro erzielt und zahlt den Aktionären eine Dividende von 72 Cent pro Aktie. Aber allein im ersten Quartal 2006 sank die Zahl der schmalbandigen Festnetzanschlüsse der T-Com um rund 500 000. Zwar sind es immer noch 40,6 Millionen Anschlüsse, aber der Umsatz pro Mitarbeiter hat sich laut Telekom negativ entwickelt. Bis 2008 sollen 32 000 Mitarbeiter den Konzern verlassen – ohne betriebsbedingte Kündigungen. „Die Mitarbeiter haben schon in der Vergangenheit in die eigene Tasche gegriffen und sich an einem Beschäftigungsbündnis beteiligt“, sagt Schröder. Sie hätten auf Lohn verzichtet, um dem Unternehmen aus einer tiefen Klemme zu helfen. Dennoch werde weiter Personal abgebaut. „Warum soll man sich in so einer Situation zurückhalten?“, fragt der Gewerkschafter.

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