Wirtschaft : Telekom-Chef baut Vorstand um

Corinna Visser

Berlin - Der seit drei Wochen amtierende Vorstandschef der Deutschen Telekom, René Obermann, hat dem Aufsichtsrat seine neue Führungsriege präsentiert. Auf seiner Sitzung am Dienstag berief das Gremium Timotheus Höttges zum neuen Chef der Festnetzsparte T-Com. Der 44-Jährige war bisher Vertriebschef bei T-Mobile. Neuer Vorstandschef von T-Mobile – und damit Nachfolger des aufgestiegenen Obermann – wird Hamid Akhavan. Der im Iran geborene Manager mit amerikanischen Pass ist seit 2001 bei der Telekom, zuletzt als Technik-Vorstand bei T-Mobile. Alle Vorstände werden künftig auch mehr spartenübergreifende Funktionen wahrnehmen, wodurch die einzelnen Konzernbereiche besser zusammenarbeiten sollen.

Für die neue Führung seien ihm „höchste Kundenorientierung, unternehmerisches Denken und Innovationskraft besonders wichtig“, sagte Obermann. „Gemeinsam werden wir nun die langfristige Strategie der Deutschen Telekom weiterentwickeln und bis zum Frühjahr vorstellen.“

Der Vertrag von Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick wurde verlängert. Walter Raizner, bisher T-Com-Vorstand und erst seit zwei Jahren im Unternehmen, ist von seinen Aufgaben entbunden. Der langjährige Personalchef Heinz Klinkhammer (60) scheidet auf eigenen Wunsch zum Jahresende aus. Finanzvorstand Eick übernimmt seinen Posten kommissarisch, da es für Klinkhammer noch keinen Nachfolger gibt. Die Wunschkandidatin der Gewerkschaft Verdi, Regine Büttner, hat ihre Kandidatur nach heftigen Anfeindungen zurückgezogen.

Analysten haben in ersten Reaktion verhalten auf die Personalentscheidungen reagiert. Es gebe keine Überraschungen, hieß es. Ob die Berufung Höttges zum Chef der wichtigen Festnetzsparte eine gute Wahl sei, „das müssen seine Taten zeigen“, sagte Frank Rothauge vom Bankhaus Sal. Oppenheim dem Tagesspiegel. „Höttges hat im Mobilfunk viel Erfahrung im Kundengeschäft gemacht, insofern befindet er sich in einer besseren Ausgangssituation als Raizner vor zwei Jahren.“ Die Situation verlange schnelles Handeln von Höttges. „Er darf keine Zeit verlieren“, sagte Rothauge. Theo Kitz von Merck Finck sagte, es sei verständlich und üblich, dass Obermann die Posten im Vorstand mit Vertrauensleuten besetze. „Aber ich bin von der Entscheidung nicht begeistert“, sagt Kitz. Die Manager seien schon lange bei der Telekom und hätten die Entscheidungen bisher mitgetragen. „Ich fürchte, dass sich bei ihnen eine gewisse Betriebsblindheit eingestellt haben könnte“, sagte Kitz.

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