Wirtschaft : Telekom-Chef Ricke kann mit viel Lob rechnen Hauptversammlung am Dienstag in Hannover

Corinna Visser

Berlin - Bei der Deutschen Telekom kündigt sich eine ungewöhnliche Hauptversammlung an: Nicht nur, dass sie zum ersten Mal nicht in der Kölnarena stattfindet und dass die Telekom – ebenfalls zum ersten Mal – diesmal sogar gleich für zwei Tage eingeladen hat. Vor allem eines wird an diesem Dienstag in Hannover auf dem Aktionärstreffen anders sein: Es wird viel Lob geben. „Aus Investorensicht hat die Telekom im vergangenen Jahr alles richtig gemacht“, sagt Ralf Oberbannscheidt, Fondsmanager bei Deutschlands größter Fondsgesellschaft DWS. „Es wurde vieles verwirklicht, wie wir es uns vorgestellt haben.“

Die Telekom hat die Wende geschafft. Nach dem Rekordverlust von 24,6 Milliarden Euro im Jahr 2002 hat Europas größter Telekommunikationskonzern 2004 wieder einen Überschuss von 4,6 Milliarden Euro erzielt und will daher nach zwei Jahren ohne Dividende wieder 62 Cent pro Aktie an die Aktionäre ausschütten. Auch der Schuldenberg – in der Spitze waren es einmal mehr als 65 Milliarden Euro – ist schneller als geplant geschrumpft. Ende 2004 standen die Finanzverbindlichkeiten bei 35,2 Milliarden Euro.

Auf dieser Hauptversammlung wird DWS-Fondsmanager Oberbannscheidt, der sich in den vergangenen Jahren „sehr kritisch“ auf den Aktionärstreffen äußerte, Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke ein „weiter so!“ zurufen. „Wir wollen Kontinuität sehen“, sagt Oberbannscheidt. „Unter der Führung von Ricke hat die Telekom sehr viel richtig gemacht“, sagt auch Rolf Drees, Sprecher von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. Die Fonds von Union Investment halten immerhin rund 20 Millionen der insgesamt knapp 4,2 Milliarden T-Aktien. „Die Telekom fährt einen soliden geschäftspolitischen Kurs, meidet finanzielle Abenteuer und sagt dem Kapitalmarkt die Wahrheit – das war früher auch nicht immer gang und gäbe“, sagt Drees. Offenbar gibt es so wenig zu meckern, dass der Fondsmanager von Union Invest in diesem Jahr nicht einmal zur Hauptversammlung fährt.

Trotz der Ertragswende – Ruhe ist in den Konzern keinesfalls eingekehrt. Im Gegenteil. Telekom-Chef Ricke wird den Aktionären die neue Konzernstruktur erläutern. Statt mit vier Säulen wie bisher wird die Telekom künftig in drei strategischen Geschäftsfeldern Breitband/Festnetz (T-Com), Geschäftskunden (T-Systems) und Mobilfunk (T-Mobile) danach streben „Europas am schnellsten wachsender integrierter Telekommunikationskonzern“ zu werden. Die geplante Reintegration der Konzerntochter T-Online ist auch der Grund, warum die Hauptversammlung vorsichtshalber für zwei Tage anberaumt wurde. Für den Konzernumbau gibt es Lob vom DWS-Fondsmanager: „Die neue kundenorientierte Aufstellung ist deutlich zeitgemäßer“, sagt Oberbannscheidt.

Für die Telekom sei die Reintegration von T-Online ein ausgesprochen vorteilhaftes Geschäft, sagt der Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Lars Labryga. Kritik wird er dennoch vorbringen, denn aus Sicht der T-Online-Aktionäre sei das Vorgehen unfair. Nachdem die T-Online-Aktionäre den Aufbau des Geschäfts in langen Verlustjahren finanziert hätten, würden sie nun, da das Unternehmen endlich schwarze Zahlen schreibe, von der Telekom gezwungen, ihre Verluste zu realisieren. Den Vorständen und Aufsichtsräten der T-Online, die den Verschmelzungsvertrag unterschrieben haben, will die SdK daher die Entlastung verweigern.

Baustellen gibt es bei der Telekom jedoch nicht nur intern. Die Festnetzsparte kämpft gegen die stärker werdende Konkurrenz und gegen bröckelnde Umsätze. Fragen will Fondsmanager Oberbannscheidt auch danach, wie die Telekom auf dem US-Mobilfunkmarkt wachsen will. Dort ist die Telekom inzwischen nur noch der viertgrößte Anbieter.

Einig sind sich alle in ihrer Unzufriedenheit über die Entwicklung des Aktienkurses. Aktuell liegt der nämlich bei 15,39 Euro. Dabei sei die ständige Diskussion über eine weitere Platzierung von T-Aktien, die heute noch dem Bund gehören, ein immer wiederkehrendes Störfeuer, sagt Oberbannscheidt. „Dafür kann man das Management nicht verantwortlich machen, aber die Diskussion trägt zu dem Frust bei, den wir mit der Aktie haben.“

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