Wirtschaft : Telekom-Chef Ron Sommer sucht nach Wegen zur Finanzierung weiterer Expansionen

Telekom-Chef Ron Sommer will sowohl die Mobilfunktochter T-Mobil als auch den Internet-Dienst T-Online in absehbarer Zeit an die Börse bringen, um die weitere Expansion seines Konzerns zu finanzieren. Der Kauf des britischen Mobilfunkbetreibers One2One sei "sicher nicht das Ende unserer Ambitionen", sagte Sommer, als er das gut 20 Mrd. DM teure Geschäft am Montag in London präsentierte.

Allerdings könnten solche Bar-Transaktionen "nicht jeden Tag geleistet werden". Sommer strebt nach eigenem Bekunden einen Börsengang der Unternehmenstöchter und anschließend den Tausch von Beteiligungen mit Partnern an. Auf diese Weise soll die Telekom mit einem geringeren Mitteleinsatz wachsen. Im Mobilfunkbereich soll eine pan-europäische Marke um die Kernzellen T-Mobil, One2One und Maxmobil aus Österreich entstehen.

Einen Zeitplan für die geplanten Börsengänge nannte Sommer nicht. Das Wann und Wie sei von zu vielen Faktoren abhängig - darunter auch vom Vorhaben des Bundes, ab Mitte 2000 seinen Aktien-Anteil von derzeit noch rund 64 Prozent an der Deutschen Telekom zu verringern. Sommer zeigte sich aber "fest entschlossen", die notwendigen Mittel für weitere Beteiligungen im Mobilfunkbereich zu erschließen, "zunächst in Europa und dann weltweit". Erfolg im Mobilfunkgeschäft sei der "Schlüssel unserer Internationalisierungs- und Entwicklungsstrategie", sagte der Konzernlenker. Eine europaweite Marke soll auch über die Aufstockung bestehender Minderheitsbeteiligungen der Telekom an verschiedenen Mobilfunkfirmen - vor allem in Osteuropa - entstehen.

Angesichts der durch den One2One-Kauf rein rechnerisch aufgezehrten Einnahmen aus dem jüngsten Börsengang der Telekom vom Frühsommer kündigte Sommer an, nach "innovativen Wegen zur Finanzierung des angestrebten weiteren Wachstums" zu suchen. Einzelheiten führte er indes noch nicht aus. Auch auf mögliche Partner wollte er sich nicht festlegen. Allerdings gab er zu verstehen, dass der US-Markt nach wie vor von großem Interesse für sein Unternehmen sei.

Auch weitere "große Fusionen" seien nicht ausgeschlossen, sagte Sommer mit Blick auf den jüngst gescheiterten Zusammenschluß seines Konzerns mit Telecom Italia. Es gebe keinen Grund, keine große Fusion anzustreben, hieß es. Die Telekom werde kein weltweit agierender "Global Player", wenn sie nicht gleichwertige Standbeine in den USA und Europa habe. Neben One2One waren in den vergangenen Wochen die spanische Telefonica und die US-Gesellschaft Sprint als angebliche Partner des deutschen Fernsprechriesen gehandelt worden.

Die T-Aktie machte an der Frankfurter Börse mehr als drei Prozent gut. Damit zog sie den gesamten Deutschen Aktien-Index Dax nach oben. Die Telekom ist das am stärksten gewichtete Papier im Dax. Händler sprachen von einzelnen Kauforders, die das Papier bei sommerlich dünnen Börsenumsätzen steigen ließen.

Durch die am Freitag bekannt gegebene Milliardenübernahme von One2One sollten sich die Geschäftsaussichten der Telekom auf lange Sicht deutlich verbessern, sagte Sommer. Der Kauf werde das Konzernergebnis nur kurze Zeit belasten: Schon in wenigen Jahren werde er sich positiv bemerkbar machen.

Synergien mit One2One gebe es unter anderem in den Bereichen Verwaltung, Marketing, Einkauf, Infrastruktur und Netzzusammenschaltung. Der Kauf von One2One fügt sich nach den Worten Sommers "nahtlos" in die Expansionsstrategie der Telekom ein. Der viertgrößte Handy-Netzbetreiber Großbritanniens garantiere schnelles Wachstum, habe ein "ausgezeichnetes Management", einen "starken Markennamen" und Marketingerfahrungen, die gerade für den deutschen Markt von Wert seien.

Sommer nannte vor allem die sogenannten Prepaid-Cards als Beispiel - das sind bezahlte Guthabenkarten für Mobiltelefone, wie sie One2One zum Durchbruch auf dem britischen Markt verholfen haben. One2One-Chef Tim Samples betonte, Prepaid-Cards seien "keine Notfalltelefone, sondern einfach eine andere Art zu bezahlen". In Deutschland sei der Prepaid-Bereich "unterentwickelt", sagte Sommer.

Den Kaufpreis von 6,7 Mrd. Pfund plus Schuldenübernahme für One2One bezeichnete der Telekom-Chef als "fair". Verkäufer des britischen Unternehmens sind die britische Cable & Wireless und der US-Konzern MediaOne.

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