Wirtschaft : Telekom-Chefs kürzen auch eigene Gehälter

„Zeichen der Solidarität“ mit T-Com-Beschäftigten

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Berlin - Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke und seine oberste Führungsriege wollen auch bei den eigenen Gehältern sparen. Nachdem die Festnetzsparte T-Com zerschlagen werden soll und 45 000 Mitarbeiter mit Gehaltskürzungen von bis zu 50 Prozent rechnen müssen, will der Vorstand des Bonner Konzerns in eigener Sache Maß halten. „Unter meiner Führung gab es bereits einen Gehaltsverzicht. Wir sind bereit, wieder ein Zeichen der Solidarität zu setzen“, sagte Ricke der „Bild“- Zeitung. Zahlen nannte er keine, und dabei bleibt es offenbar vorerst. „Es ist alles gesagt“, sagte er dem Tagesspiegel bei einer Veranstaltung in Berlin lediglich.

Die geplante Ausgliederung der Service- und Call-Center-Beschäftigten in eine neue Unternehmenseinheit namens T-Service verteidigte er. „Keiner nimmt den Mitarbeitern einfach die Hälfte des Gehalts aus dem Portemonnaie. Wir werden mit den Gewerkschaften über Gehälter, flexiblere und längere Arbeitszeiten sowie Sozialverträglichkeit reden. Ich weiß, dass ich damit keine Begeisterungsstürme auslöse. Aber geringer bezahlte Arbeit ist besser als keine Arbeit“, sagte er in dem Interview.

Die Telekom will ihre unter starkem Konkurrenzdruck stehende Festnetzsparte mit derzeit rund 80 000 Mitarbeitern massiv verkleinern. Die neue Abteilung soll wie schon Immobilien und Flottenmanagement direkt bei der Konzernzentrale angesiedelt werden. Die Gewerkschaft Verdi nannte die Pläne „völlig untauglich“ und kündigte Widerstand an.

Nach der bereits laufenden Trennung von 32 000 Mitarbeitern bis 2008 sucht der Telekom-Vorstand offenbar nach neuen Wegen, weiteren Arbeitsplatzabbau und die damit verbundene Kritik zu vermeiden, dennoch aber die Personalkosten zu senken. Ricke sagte in dem Interview denn auch, dass es für 2009 und 2010 keine neuen Stellenabbaupläne gebe. Besseren Service hatte er als einen Hauptpunkt in dem Sieben-Punkte-Programm „Telekom 2010“ versprochen, mit dem er die Umsätze stabilisieren und die Gewinne verbessern will. Ricke reagierte damit auf den Verlust von einer Million Festnetzkunden allein im ersten Halbjahr 2006, die das Unternehmen im August gezwungen hatten, Umsatz- und Gewinnerwartungen nach unten zu korrigieren. Eine Antwort auf den Kundenschwund sind die seit fünf Wochen angebotenen kombinierten Telefon- und Internettarife, die laut Ricke zu einer Million neuer Bestellungen im Festnetz geführt haben. Anfang Dezember will Ricke dem Aufsichtsrat weitere Pläne vorlegen.

Doch besserer Service ist nur ein Aspekt. Personalvorstand Heinz Klinkhammer hat deutlich gemacht, dass es ganz wesentlich um Kostensenkung geht. Im Service- und Call- Center-Bereich lägen die marktüblichen Vergütungen zwischen 30 und 50 Prozent unter den Telekom-Gehältern. Das könne man ebenso wenig wie die derzeit geltende 34-Stunden-Woche bei T-Com aufrechterhalten. „Die Produktivität muss gleichzeitig im Interesse erhöht werden, um bezahlbaren Service anbieten zu können.“ Dies geböten der schnelle technische Wandel, die sich ausweitende Regulierung und die überproportional hohen Personalkosten. Falls die Verhandlungen mit Verdi ab Anfang 2007 nicht fruchten, könnte die Telekom den Kundenservice auch in ein separates Unternehmen ausgliedern – Klinkhammer forderte „substanzielle Beiträge“ der Arbeitnehmer, sonst drohe die „Dekonsolidierung dieser Einheiten“.mod

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