Telekom : Datenschutz wird zur Chefsache

Die Telekom zieht Konsequenzen aus den jüngst aufgedeckten Diebstählen von Kundendaten. Konzernchef René Obermann will den Datenschutz im Konzern stärken. Auch die Informationspolitik soll besser werden.

Corinna Visser
Deutsche Telekom - Rene Obermann
"Wir haben die Kritik verstanden", sagt Telekom Chef René Obermann. Der Konzern soll transparenter werden. -Foto: dpa

Berlin - Die Telekom zieht Konsequenzen aus den jüngst aufgedeckten Diebstählen von Kundendaten. Konzernchef René Obermann will den Datenschutz im Konzern stärken. Vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse habe die Konzernführung festgestellt, dass die Telekom zusätzlichen Handlungsbedarf in Sachen Datenschutz und -sicherheit habe, sagte Obermann am Freitag in Bonn. Die Telekom habe zwar auch bisher schon vieles in Sachen Datenschutz getan. „Wir sind aber zu der Überzeugung gelangt, dass wir jetzt neue Maßstäbe im Bereich Datensicherheit setzen müssen.“

Dazu sei ein ganzes Paket an Maßnahmen erarbeitet worden. Unter anderem soll dem Aufsichtsrat in der nächsten Sitzung vorgeschlagen werden, ein neues Vorstands-Ressort für den Bereich Datenschutz, Recht und Compliance (Rechtmäßigkeit von Unternehmensprozessen) zu schaffen. Damit folgt die Telekom dem Technologiekonzern Siemens, der im Zuge seiner Schmiergeldaffäre ebenfalls einen ähnlichen Vorstandsposten eingerichtet hat. Das Thema Datenschutz und -sicherheit würde damit zukünftig auf oberster Management-Ebene verankert sein, sagte Obermann.

Verdi-Bundesvorstand und Telekom- Aufsichtsratsmitglied Lothar Schröder sagte in einer ersten Reaktion, der Aufsichtsrat sei bisher nicht über die Pläne informiert. Auf die Begründung der neuen Organisation sei er gespannt. „In der Bespitzelungsaffäre sind offensichtlich einige Leute aus der Konzernsicherheit aus dem Ruder gelaufen und haben gegen den Datenschutz verstoßen“, sagte Schröder. „Wie man jetzt aus der Zusammenlegung von Konzernsicherheit und Datenschutz mehr Sicherheit gewinnen will, das verstehe ich nicht.“

Nur vier Monate nachdem bekannt wurde, dass die Telekom Kontakte von Aufsichtsratsmitgliedern zu Journalisten ausspioniert hatte, hatte der Konzern einräumen müssen, dass bereits im Jahr 2006 persönliche Daten von 17 Millionen Mobilfunkkunden in fremde Hände gelangt sind. Telekom- Vorstandsmitglied Timotheus Höttges sagte am Freitag, insgesamt gebe es sieben Fälle von Datendiebstählen, die zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren geführt hätten. Involviert sind demnach Staatsanwaltschaften in Bonn, Bremen, Berlin und München. Köln prüfe, ein bereits eingestelltes Verfahren wieder zu eröffnen. Im Fall der 17 Millionen gestohlenen Datensätze von Mobilfunkkunden gebe es einen dringend Tatverdächtigen. Der arbeitete 2006 offenbar im eigenen Haus. Zum Stand der Ermittlungen äußerte sich die Telekom nicht.

Dem neuen Vorstandsressort Datensicherheit sollen etwa 500 Mitarbeiter im Inland zugeordnet werden, weitere kämen im Ausland hinzu, kündigte Konzernchef Obermann an. Ebenso, dass der Konzern transparenter werden wolle. Die Telekom war heftig dafür kritisiert worden, dass sie weder die Betroffenen noch die Öffentlichkeit umgehend über die Datendiebstähle informiert hatte. „Wir haben die Kritik verstanden“, sagte Obermann, „und wir werden unsere Informationspolitik anders ausrichten.“ So soll unter anderem kommende Woche eine Internetseite zu aktuellen Datenschutzthemen eingerichtet werden. Außerdem will die Telekom einen Datenschutzbericht vorlegen und einen Datenschutzrat mit externen Experten einrichten. Intern sollen die Schutzmaßnahmen verbessert werden.

Um die Kunden zu informieren, hat die Telekom eine kostenlose Hotline unter 0800/33 00 34 505 eingerichtet. 5000 Anfragen seien dort bisher beantwortet worden, 750 Kunden hätten ihre Mobilfunknummer gewechselt.

Eine weitere Botschaft war Obermann wichtig: Trotz der weltweiten Finanzkrise sei das Unternehmen auf gutem Weg, seine Jahresprognose zu erreichen. Es gebe keinen Grund, die Ziele zu korrigieren. Die Telekom sei solide finanziert.

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