"Das Internet muss sich auch bei uns weiterentwickeln können"

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Telekom-Deutschlandchef Van Damme : "Das Internet bleibt frei, offen und ohne Diskriminierung"
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"Wir freuen uns, dass der deutsche Bundestag, der bisher die Dienste von Verizon genutzt hat, zur Telekom zurückkehrt", sagt Telekom-Deutschlandchef Van Damme. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
"Wir freuen uns, dass der deutsche Bundestag, der bisher die Dienste von Verizon genutzt hat, zur Telekom zurückkehrt", sagt...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Das Video-Portal Netflix hat in den USA  wegen seines  großen Erfolgs und des hohen Datenverbrauchs die Netze verstopft. Jetzt startet Netflix in Deutschland. Was tun Sie?

Wir sehen da für uns erhebliche Chancen. Wir wollen unser Fernsehangebot Entertain zu einer Plattform ausbauen, auf der Kunden alle Fernsehdienste nutzen können. Wir haben mit Sky oder Maxdome erste Erfahrungen gemacht. Wir reden mit vielen über Partnerschaften, das ist Teil unserer Strategie. Wir werden sehen.

Sie haben keine Sorge, dass Netflix die Netze verstopft?

Nein, wir sind für die Zukunft gut aufgestellt.

Wie weit sind Ihre Gespräche mit Netflix?

Wie gesagt, wir reden mit vielen über Partnerschaften, das ist Teil unserer Strategie.

Bisher ist es so, dass alle Daten im Netz gleich behandelt und so schnell wie möglich weitergeleitet werden müssen (best effort). Sie wollen speziellen Diensten Vorrang einräumen. Kritiker sehen die Netzneutralität in Gefahr.

Das Internet bleibt frei, offen und ohne Diskriminierung. Wir haben auch nicht vor, Dienste zu behindern – das würden die Kunden gar nicht akzeptieren. Darauf wartet der Wettbewerb nur. Fakt ist aber, dass es Dienste gibt, die höhere Qualitätsansprüche haben als andere. Große Internetunternehmen können ihre Angebotsqualität beispielsweise durch weltweite Serverparks schon heute verbessern. Kleine Unternehmen haben bisher aber keine Chance, weil es für sie keine Angebote gibt. Ist das fair? Das Internet muss sich auch bei uns weiterentwickeln können, sonst verlieren wir noch stärker den Anschluss an die USA und Asien. Was als Netzneutralität verkauft wird, ist in Wahrheit die Privilegierung der großen amerikanischen Internetkonzerne. Und das geht zu Lasten von kleinen Start-ups.

Wie stellen Sie sich das also vor?

Es gibt wird zusätzliche Dienste geben, bei denen wir ein Qualitätsversprechen abgeben müssen. Bei Videokonferenzen, medizinischen Diensten oder bei vernetzten Autos können wir nicht sagen, die Latenzzeit ist hier und da ein wenig länger. Oder würden Sie Aussetzer bei einer  telemedizinischen Anwendung tolerieren? Andererseits ist es für Sie unerheblich, ob eine Email mit zwei Sekunden Verzögerung ankommt.

Aber wenn Sie für solche Dienste ein Qualitätsversprechen abgeben, bedeutet das doch im Umkehrschluss, dass andere Daten warten müssen, wenn es eng wird.

Das bedeutet vor allem, dass wir zusätzliche Kapazitäten aufbauen müssen.

Kapazitäten, die für andere Daten nicht zur Verfügung stehen...

Von mehr Kapazität profitiert auch der normale Internetverkehr. Ich glaube, dass Kunden selbst entscheiden können, ob sie für mehr Qualität bereit sind, auch mehr zu bezahlen. Das können sie beim Fliegen oder Bahnfahren ja auch. Ich frage mich immer, warum wir dem mündigen Kunden so wenig Vertrauen und ihm die Verantwortung für sein Handeln absprechen.

Google lebt vom Datenverkehr, zahlt aber dafür nichts. Wie wollen Sie das ändern?

Wir sprechen mit Google wie mit allen anderen Unternehmen auch. Wer von Infrastruktur profitiert, sollte sich auch an den Kosten beteiligen. Ein Modell wäre auch hier garantierte Qualität, beispielsweise für Youtube-Videos in HD.

Was hält Google davon?

Ich glaube, das wäre auch für Google interessant, wenn sie ihr Angebot verbessern könnten. Wir wollen niemand etwas wegnehmen, sondern etwas Zusätzliches bieten. Auch Google sieht diese Interessen.

Große Internetunternehmen können es sich leisten, für bessere Qualität im Netz zu zahlen, Start-ups nicht.

Dieser Mythos wird von der Netzgemeinde sorgfältig gepflegt, stimmt aber schlicht und ergreifend nicht. Das Gegenteil ist der Fall: Start-ups haben häufig Anwendungen, die auf gesicherte Qualität angewiesen sind. Wir sind völlig offen für neue Geschäftsmodelle. Wir sehen uns als Partner der Internetindustrie. Wir können Start-ups die Möglichkeit bieten, ihre Dienste in unterschiedlichen Qualitätsklassen anzubieten. Im Gegenzug werden wir an den Einnahmen beteiligt. Wie wichtig Start-ups für die Telekom sind, zeigt unsere Inkubator Hubraum in Berlin, mit dem wir gerade junge, innovative Unternehmen bei der Umsetzung ihrer Ideen unterstützen.

Seit der Aufdeckung der NSA-Abhöraffäre ist sichere Kommunikation ein großes Thema. Profitieren Sie davon?

Wir freuen uns, dass der deutsche Bundestag, der bisher die Dienste von Verizon genutzt hat, zur Telekom zurückkehrt. Wir betrachten das als Auftrag und Verpflichtung. Auch bei der  E-Mail made in Germany und bei der  Cloud made in Germany spüren wir große Interesse, wir werden sehen wie sich die Diskussion entwickelt.

Kann man das auch in Kundenzahlen ausdrücken?

Das ist eine Frage der Zeit.

Im Moment tut sich eine Menge auf dem deutschen Markt: Vodafone und  Kabel Deutschland verschmelzen, ebenso Telefónica-O2 und E-Plus. Ist das gut oder schlecht für Sie?

Zuerst einmal zeigt es, dass die Anbieter es allein nicht geschafft haben. Es ist auch eine Bestätigung für unsere Entscheidung von 2009, Mobilfunk und Festnetz zusammenzulegen. Wir haben also einen Vorsprung, wir sind heute da angekommen, wo andere noch hinwollen. Da kann ich mal mit Stolz auf unsere Leistung schauen und sagen: Gut gemacht Telekom, weiter so. Das ist übrigens ein Versprechen auch mit Blick auf unsere Wettbewerber. Wir werden weitermachen und werden keinen Millimeter unseres Vorsprungs preis geben. Nicht einen. Wir wollen klar die Nummer Eins bleiben.

Halten Sie es für möglich, dass ein neuer Wettbewerber die Chance nutzt und in den Markt einsteigt?

Ich schließe nichts aus. Aber noch habe ich nichts davon gehört.

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