Wirtschaft : Telekom: "Die Telekom muss gute Nachrichten liefern"

Herr Wellendorf[die T-Aktie ist so billig wie nie]

Frank Wellendorf ist Telekommunikations-Analyst bei WestLB Panmure in Düsseldorf.

Herr Wellendorf, die T-Aktie ist so billig wie nie. Warum?

Das liegt an den vielen schlechten Nachrichten: Einerseits ist im Mobilfunk beim Kundenwachstum fast eine Sättigung erreicht. Nun zweifelt der Markt am weiteren Wachstum der Umsätze. Auf der anderen Seite berichten viele ehemalige Monopolisten im traditionellen Festnetzgeschäft von rückläufigen Ergebnissen im ersten Quartal.

Gibt es noch weitere Risiken im Geschäft der Deutschen Telekom?

Ein Risiko teilt die Telekom mit der ganzen Branche, dass sich nämlich die hohen Investitionen in den neuen Mobilfunkstandard UMTS nicht wieder verdienen lassen. Das kann nur gelingen, wenn die Umsätze durch neue Datendienste massiv gesteigert werden können. Aber genau dahinter steht ein großes Fragezeichen, ob der Markt die neuen Services auch akzeptiert. Für die Telekom liegt ein weiteres Risiko im Geschäftserfolg des US-Mobilfunkanbieters Voicestream, für den die Telekom einen hohen Preis bezahlt hat. Voicestream muss stark wachsen, damit sich diese Investition rechnet.

Was machen die Manager der Telekom falsch?

Bei der Deutschen Telekom hat es die gleichen Fehler gegeben, die auch die anderen europäischen Telekommunikationskonzerne gemacht haben: Alle haben im Hype bei Höchstkursen Unternehmen eingekauft und zu viel für die UMTS-Lizenzen bezahlt.

Wie tief kann die T-Aktie jetzt noch fallen?

Fundamental, das heißt auf Basis der Wachstums- und Ertragsaussichten, ist die T-Aktie klar unterbewertet. Aber bei weiter schlechten Nachrichten kann sie auch noch weiter fallen. Die Entwicklung hängt von der Marktpsychologie ab. Im Moment ist die Stimmung negativ.

Was kann das Management tun, um den Kurs zu stützen?

Gute Nachrichten liefern. Vor allem kann die Telekom den Schuldenabbau vorantreiben: Sie kann den Verkauf von Immobilien oder von Funktürmen schneller vorantreiben und sich von Beteiligungen trennen, zum Beispiel von Mobilfunkbeteiligungen in Asien.

Was raten Sie Anlegern: verkaufen, halten oder kaufen?

Jetzt zu verkaufen ist in etwa so falsch wie es vor zwei Jahren ein Fehler war, sie bei 103 Euro zu kaufen. Die Wende steht kurz bevor, ich weiß nur noch nicht, wann sie eintritt. Eine alte Börsenregel sagt: Bei schlechten Nachrichten kaufen.

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