Wirtschaft : Telekom-Expansion: Telekom verschiebt den Börsengang der T-Mobile

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Die Deutsche Telekom verschiebt den für Herbst geplanten Börsengang der T-Mobile International. Die geplante Übernahme der amerikanischen Mobilfunkgesellschaft Voicestream erhöhe die Komplexität der für die Börsenzulassung nötigen Prospekte, teilte die Deutsche Telekom am Mittwoch in Bonn mit. Die umfassende Information der Anleger habe für das Unternehmen oberste Priorität, hieß es zur Begründung. Hierzu gehöre es, die Wachstums- und Synergiepotenziale der T-Mobile unter Einschluss von Voicestream eindeutig sichtbar zu machen. Am 24. Juli hatte die Telekom angekündigt, Voicestream für umgerechnet 106 Milliarden Mark zu übernehmen. Einen neuen Termin für den Börsengang der T-Mobile International, in der die Mobilfunkaktivitäten des Konzerns gebündelt sind, nannte die Telekom nicht.

Der Vorstandschef der T-Mobile International, Kai-Uwe Ricke, sagte der "Süddeutschen Zeitung", man wolle die Aktionäre über die Voicestream-Aktivitäten informieren. Dies könne man derzeit aber nicht im vollen Umfang tun, da die Übernahme voraussichtlich erst 2001 abgeschlossen werde. Aus unternehmensnahen Kreisen verlautete, ein Börsengang im kommenden Jahr sei wahrscheinlicher als einer in diesem Jahr.

Die Aktionäre von Voicestream können die Kaufofferte des deutschen Konzerns ablehnen, falls der Kurs der T-Aktien auf unter 33 Euro sinken sollte. Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick sagte dem Wirtschaftsmagazin "Capital", es gebe eine Ausstiegsklausel, falls der Kurs zum geplanten Abschluss der Übernahme im Frühjahr 2001 unter diesem Wert liege. Das Angebot an die Voicestream-Aktionäre wäre dann nur noch rund 35 Milliarden US-Dollar wert, während es nach dem Stand vom Juli 50,7 Milliarden Dollar zuzüglich einer Schuldenübernahme von fünf Milliarden Dollar umfasste.

Voicestream steigerte den Umsatz in den ersten sechs Monaten dieses Jahres kräftig um 302 Prozent auf 710,6 Millionen Dollar. Die Gesellschaft hatte Ende Juni 2,6 Millionen Kunden oder 365 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dies teilte Voicestream am Dienstag nach Börsenschluss mit. Der starke Geschäftsausbau brachte aber auch riesige Verluste. Die Gesellschaft hat für Januar bis Juni 2000 rote Zahlen von 617,5 Millionen Dollar ausgewiesen. Damit hat sich der Verlust verdreifacht.

Das UMTS-Mobilfunkgeschäft in Italien wird die Telekom zunächst zurückstellen. T-Mobile-Chef Ricke sagte in dem Zeitungsinterview weiter, man wolle zwar auch weiterhin auf den italienischen Markt, "aber nicht als fünftes Rad am Wagen". Die Telekom bestätigte, dass sie sich nicht um eine UMTS-Lizenz in Italien bewerben wolle. Sie schloss spätere Allianzen jedoch nicht aus.

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