Wirtschaft : Telekom: Fünf-Punkte-Programm soll T-Aktie aus der Krise helfen

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Trotz des dramatischen Kursverfalls der T-Aktie und eines Verlustes im dreistelligen Millionenbereich im ersten Halbjahr, sieht Vorstandschef Ron Sommer die Deutsche Telekom weiter auf Erfolgskurs. "Das geht mir sehr ans Eingemachte, wenn die T-Aktie heute bei 18 Euro steht", sagte Sommer bei der Vorstellung der Telekom-Zahlen für das erste Halbjahr. Trotzdem gebe es keinen Anlass zu hektischem Aktionismus. Sommer betonte zum wiederholten Mal, nicht nur die T-Aktie, sondern "die gesamte Branche leidet unter dem Liebesentzug der Aktionäre".

Die T-Aktie war durch den Verkauf eines Aktienpakets von 44 Millionen Stück am 7. August unter massiven Druck geraten. In der vergangenen Woche war das Papier auf 16,07 Euro abgestürzt - den tiefsten Wert seit dreieinhalb Jahren. Am Dienstagnachmittag notierte das Papier bei 17,88 Euro.

Sommer bestätigte ein Treffen mit Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) am Vorabend. Es sei ein routinemäßiges Treffen gewesen, über dessen Inhalt er nicht öffentlich spreche. Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Es gibt keinen Anlass für die Bundesregierung, an der Person von Herrn Sommer zu zweifeln." Eichel habe Sommer bei dem Treffen nicht angegriffen oder kritisiert. "Es ist selbstverständlich, dass Herr Eichel sich in dieser Situation von Herrn Sommer persönlich informieren lässt." Der Bund hält noch etwa 43 Prozent der Telekom-Anteile.

Sommer erwartet keine weiteren Kursturbulenzen durch den Verkauf größerer Aktienpakete von ehemaligen Voicestream-Großaktionären. Die Akquisition des US-Mobilfunkanbieters hatte die Telekom unter anderem mit 1,2 Milliarden T-Aktien bezahlt. Etwa 590 Millionen Papiere sind dabei an Großaktionäre gegangen. Rund 350 Millionen seien "in festen Händen", sagte Sommer. Es verblieben nach den bereits erfolgten Verkäufen lediglich rund 170 Millionen Aktien, "die potenziell an den Markt gebracht werden könnten." Hierzu würden Gespräche geführt, um eine marktschonende Lösung zu erreichen.

Sommer kündigte ein Fünf-Punkte-Programm für mehr Wachstum und Profitabilität an, das der T-Aktie wieder Auftrieb geben soll. Es sieht unter anderem vor, den Schuldenstand der Telekom von aktuell 65,5 Milliarden Euro um knapp ein Viertel auf etwa 50 Milliarden Euro bis Ende des Jahres 2002 zu reduzieren. Dazu soll der jetzt für das Jahr 2002 geplante Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobile beitragen. Die Telekom erwartet, hierbei zehn Milliarden Euro erlösen zu können.

Der Konzernumsatz legte im ersten Halbjahr vor allem dank des Mobilfunkgeschäfts um 16,9 Prozent auf 22,5 Milliarden Euro zu. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 11,9 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro. Hierin sind die immensen Kosten für Zinszahlungen und Abschreibungen auf Firmenwerte, unter anderem im Zusammenhang mit dem Voicestream-Kauf, von jährlich 1,2 Milliarden Euro nicht enthalten. Unter dem Strich verzeichnete die Telekom einen Verlust von 349 Millionen Euro. Schwarze Zahlen schrieb der Konzern nur im Festnetzgeschäft. Die übrigen Sparten Mobilfunk, Internet und Systemgeschäft, auf die mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes entfallen, lagen dagegen (vor Steuern) zum Teil tief in der Verlustzone.

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