Wirtschaft : Telekom gliedert ihr Kabel-TV-Netz aus

1998 neue Gesellschaft / Joint venture mit France Télécom und Enel angekündigt

BONN/BERLIN (rtr/dpa/AFP).Die Deutsche Telekom AG will ihr Kabelfernsehnetz in eine eigene Gesellschaft ausgliedern.Die neue Tochter solle 1998 gegründet werden, teilte ein Konzernsprecher am Dienstag mit.Möglicherweise werde der Konzern strategische Partner daran beteiligen.Für die Kabelfernsehkunden werde sich nichts ändern.Die EU-Kommission hatte kürzlich gefordert, Kabelfernsehnetze und Telefonnetze dürften nicht in einer Hand liegen.Sie kündigte nun an, die Telekom-Pläne zu prüfen.Die Telekom gab weiter bekannt, sie gründe mit France Télécom und dem Stromkonzern Enel ein Joint Venture in Italien. Nach der Digitalisierung des Kabels, der Einigung mit den Medienkonzernen Bertelsmann und Kirch auf einen Digitalfernseh-Standard und der Erhöhung der Kabelpreise sei die Ausgliederung ein weiterer wichtiger Schritt, um das Kabelfernsehgeschäft zu sanieren, erklärte der Sprecher.Der Verband der Privaten Kabelnetzbetreiber, der der Telekom im TV-Kabelbereich mehrfach Monopolistengebaren vorgeworfen hatte, wertete die Ankündigung als "überfälligen ersten Schritt in die richtige Richtung".Die Telekom speist seit Monatsbeginn in einzelnen Bundesländern erste digitale Programme in das Kabel ein.Gleichzeitig hat sie zum 1.November den Monatspreis für den Kabelanschluß von 22,50 auf 25,90 DM erhöht.Sie plant nach eigenen Angaben einen weiteren Aufschlag von "unter fünf DM" für den Empfang digitaler Programme.Auch eine schrittweise Regionalisierung des Kabels oder die Abgabe von Anteilen an strategische Partner sei denkbar, erklärte der Konzern. Die Telekom kündigte an, sie werde die Europäische Kommission in Brüssel noch im Laufe des Tages über die Pläne informieren.EU-Wettbewerbskommissar Karel Van Miert hatte Ende Oktober gesagt, die EU sei dagegen, daß Telekomfirmen TV-Kabelnetze betrieben.Auch Politiker und Branchenvertreter kritisierten immer wieder, daß in Deutschland die Telekom das Telefon- und Kabelfernsehnetz betreibt.In den meisten anderen Ländern sind die Netze getrennt.Ein Sprecher Van Mierts sagte in Brüssel, die Kommission begrüße die Ausgliederung des Kabelnetzes, müsse aber noch prüfen, ob die Telekom dabei weit genug gehe.An das Telekom-Kabelnetz sind 17 Millionen Haushalte angeschlossen.Davon sind rund 5,5 Millionen Kunden der Telekom; die anderen Anschlüsse werden von kleineren Kabelfirmen betrieben. Die Telekom gab außerdem die Gründung eines Joint Ventures mit ihrem Partner France Télécom und dem italienischen Stromkonzern Enel bekannt.Das Gemeinschaftsunternehmen werde sich um die dritte Mobilfunklizenz in Italien bewerben und dort auch Lizenzen für Telefon-Angebote im Festnetz beantragen."Die neue Gesellschaft soll umfassend Sprach-, Daten- und Mobilfunkdienste für Privat- und Geschäftskunden in Italien anbieten", teilte die Telekom mit.An ihr würden sich Enel mit 51 Prozent und Deutsche Telekom und France Télécom zusammen mit 49 Prozent beteiligen.Zur Höhe der geplanten Investitionen sagte der Telekom-Sprecher nichts. An der Frankfurter Börse stieg die Telekom-Aktie nach Bekanntgabe der Ausgliederung und des Italien-Bündnisses bis 13 Uhr um 95 Pfennig auf 34,95 DM.Zum Schluß des Parketthandels verblieb ein Plus von 0.90 Pfennig auf 34,90 DM. Wie die Telekom weiter mitteilte, hat das Unternehmen den vor sieben Jahren begonnenden Ausbau des Telekommunikationsnetzes in Ostdeutschland früher als erwartet abgeschlossen.Bundeskanzler Helmut Kohl wird das Netz am 10.Dezember gemeinsam mit dem Vorstandschef Ron Sommer bei einem Festakt in der Hauptvermittlungsstelle Tannenkrug in Neubrandenburg offiziell übergeben.Mit der vollständigen Digitalisierung sei in den neuen Ländern das modernste Telekommunikationsnetz der Welt entstanden.Insgesamt investierte die Telekom knapp 50 Mrd.DM in den Ausbau Ost.

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