Telekom-Hauptversammlung : Pfeifkonzerte und Applaus für Obermann

"Es ist schwierig, es allen recht zu machen": Telekom-Chef René Obermann hatte auf der Hauptversammlung in Köln alle Mühe, den Aktionären die Notwendigkeit der Einschnitte für die Beschäftigten nahe zu bringen.

Köln - Jedes Mal, wenn der 44-Jährige davon sprach, warum und wie die Gehälter beim einstigen Staatsmonopolisten sinken müssten, um im hart umkämpften Wettbewerb bestehen zu können, erntete er von den 8500 Aktionären in der Kölnarena nicht nur Applaus, sondern auch Pfeifkonzerte.

"Gegen die Mitarbeiter kann man kein Unternehmen führen", mahnte Betriebsrätin und Mitglied der Verdi-Verhandlungskommission, Kornelia Dubbel, mit Blick auf die geplante Auslagerung von mehr als 50.000 Beschäftigten in Servicegesellschaften zu schlechteren Konditionen. Ohnehin seien es nicht die Mitarbeiter, die den oft monierten Service zu verschulden hätten, sagte sie und verwies auf "marode IT-Systeme", massiven Personalabbau und "unzumutbare Umstrukturierungen". Das Management rede zwar ständig von besserem Service, tue aber nichts dafür, sagte Dubbel. Bei Kundenanfragen müssten die Mitarbeiter oft mit 16 verschiedenen Systemen gleichzeitig hantieren, Abstürze seien Alltag. "Die Mitarbeiter haben keine Chance, das Serviceversprechen des Vorstands zu erfüllen", sagte Dubbel unter dem Beifall der anwesenden Belegschaftsaktionäre.

Zwar zeigten auch Aktionärsschützer Verständnis, dass die Mitarbeiter wenig begeistert von den angekündigten Gehaltseinschnitten sind. "Wer lässt sich schon gerne in die Taschen greifen", sagte Hans-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Es könne jedoch nicht gut gehen, wenn den Beschäftigten dauerhaft Löhne gezahlt würden, die deutlich über dem Marktniveau lägen, sagte Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).

Weniger Lohn gegen Jobgarantien

Nach den Vorstellungen der Bonner soll der Lohn für einen Service-Center-Mitarbeiter von aktuell monatlich brutto von 3238 Euro stufenweise auf 2947 Euro verringert werden. Im Gegenzug verspricht die Telekom Neueinstellungen und langfristige Jobgarantien. Mit den anvisierten Kosteneinsparungen "haben Sie den Stier bei den Hörnern gepackt, lassen Sie ihn bitte nicht los", rief Aktionärsschützer Schmitz Konzernchef Obermann zu.

Der 44-jährige Jungmanager, der erst im vergangenen Herbst eingewechselt wurde, lauschte den widerstreitenden Äußerungen seiner Eigentümer geduldig und konzentriert. Angesichts der hitzigen Gefechte musste es sich schon bald seines Sakkos entledigen. Dabei könnte es schon bald noch heißer zugehen, wenn Verdi wie mehrfach angekündigt Streiks beschließt. (Von Katharina Becker, AFP)

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