Wirtschaft : Telekom heizt Rechtepoker an

Der Konzern will die Übertragungsrechte für die Bundesliga erwerben – doch es gibt Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Gebots

Corinna Visser

Berlin - Die Deutsche Telekom heizt den Poker um die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga an. Sie hat für alle 233 angebotenen Rechtepakete ein Gebot abgegeben – einschließlich der Fernsehrechte. Doch offenbar ist dies nur ein strategischer Schachzug. Aus dem Umfeld des Unternehmens hieß es am Montag: „Die Telekom bietet nicht ernsthaft für die Fernsehrechte mit.“ Der Konzern will sich aber eine gute Ausgangsposition für die parallel laufenden Verhandlungen mit den Fernsehsendern sichern. In diesen Verhandlungen geht es um attraktive TV-Inhalte für das geplante Hochgeschwindigkeitsnetz, in das die Telekom drei Milliarden Euro investieren will.

Beobachter gehen davon aus, dass die Telekom durch ihre Gebote die Preise für die Fußballübertragungsrechte in die Höhe getrieben hat. Der Abosender Premiere, der auf die Live-Übertragung der Bundesliga angewiesen ist, gerät in Zugzwang. Premiere-Chef Georg Kofler ist offenbar bereit, deutlich mehr Geld für die Exklusivrechte auszugeben. Sehr zur Freude der Deutschen Fußball-Liga (DFL), die insgesamt mehr als 400 Millionen Euro mit dem Verkauf der Übertragungsrechte erzielen will. Am Mittwoch will die DFL voraussichtlich Details über die Vergabe bekannt geben.

Entscheidend für die Telekom ist, dass sie die Bundesliga im Internet vermarkten kann. „Unser Hauptaugenmerk liegt auf den Internet-Rechten“, bestätigt ein Telekom-Sprecher. Der Wert dieser Rechte wird von Analysten mit etwa 15 Millionen Euro oder sogar weniger taxiert. Derzeit liegen die Rechte noch bei der Internettochter T-Online.

Doch für die Telekom geht es um mehr als um Fußball. Damit sich die Investitionen in das neue Hochgeschwindigkeitsnetz lohnen, muss die Telekom eine bessere Offerte machen als die Konkurrenz im Kabelnetz. Kabel Deutschland bietet zusammen mit United Media (ehemals Ish und Iesy) ebenfalls für die Bundesligarechte. 100 Sender will Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke über sein schnelles Datennetz künftig anbieten. Das Ziel: Telefon, Internet und Unterhaltung aus einer Hand – Triple Play nennt das die Branche. Auch die Kabelnetzbetreiber wollen in diesem Markt dabei sein.

Doch offenbar laufen die Verhandlungen mit dem Abosender Premiere nicht wie gewünscht – weswegen die Telekom sich selbst für die Fernsehrechte beworben hat. „Die Gebote hat die Telekom nur abgegeben, um Premiere zu ärgern“, hieß es aus dem Umfeld des Unternehmens. „Die Telekom geht fest davon aus, bei den Rechten für die Fernsehübertragung nicht zum Zuge zu kommen.“

Fernsehveranstalter will die Telekom nach eigener Aussage nicht werden. „Wir werden auch in Zukunft nichts machen, wofür wir eine Rundfunklizenz brauchen“, sagte ein Telekom-Sprecher. Sollten die Bundesligarechte an den Konzern gehen, werde man Sublizenzen an die Fernsehveranstalter vergeben.

Für den Mitbieter Premiere geht es im Poker um die Bundesligarechte um viel mehr: Der Abosender droht zum großen Verlierer zu werden. „Wenn sich Premiere-Chef Georg Kofler nicht bewegt, wird es sehr eng“, hieß es am Montag in Verhandlungskreisen. „Premiere ist der einzige Bieter, der an allen Fronten kämpft und zu keinen Kompromissen bereit ist.“ Der Abosender drängt auf mehr Exklusivität und ist dafür bereit, künftig tiefer in die Tasche zu greifen.

Verhandlungskreise versuchen, Premiere-Chef Kofler zu einer „Salami-Lösung“ zu drängen, die ein Fortbestehen der ARD-„Sportschau“ garantiert.Geht es aber nach Kofler, werden Bundesligaspiele künftig im frei empfangbaren Fernsehen erst nach 22 Uhr zu sehen sein. Premiere geht es darum, die „Sportschau“ endgültig vom Markt zu verdrängen. Wie die Verhandlungslösung endgültig aussieht, ist offen. Ein Beteiligter sagte dem Handelsblatt: „Es wird noch hart verhandelt.“ mit HB

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