Wirtschaft : Telekom investiert Milliarden in neues Netz Produktoffensive soll Marktanteile retten

Corinna Visser

Berlin - Die Deutsche Telekom will in den kommenden Jahren deutlich mehr investieren als bisher geplant und sich stärker auf die Entwicklung neuer Produkte konzentrieren. Allein in den Aufbau eines neuen Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetzes will der Konzern bis zum Jahr 2007 rund drei Milliarden Euro investieren. Bis dahin sollen die 50 größten Städte in Deutschland mit den besonders schnellen Breitband-Anschlüssen versorgt sein, sagte der Chef der Festnetzsparte T-Com, Walter Raizner, anlässlich der Internationalen Funkausstellung (Ifa). „Der Ausbauplan ist sehr ambitioniert“, sagte Raizner. Mitte 2006 sollen die ersten zehn Städte am Netz sein.

Lob kam vom Bundeswirtschaftsminister: „Deutschland wird mit dieser Telekom-Investition wieder Anschluss an die Spitzenliga der internationalen Volkswirtschaften gewinnen“, sagte Wolfgang Clement (SPD) Donnerstagabend in seiner Rede zur Eröffnung der Ifa. Dem Bund gehören 37 Prozent der Telekom-Anteile. „Ich würde es selbstverständlich begrüßen, wenn auch die Wettbewerber der Deutschen Telekom auf den Zug der Zeit aufspringen und ebenfalls in den weiteren Ausbau ihrer Breitbandnetze investieren würden“, fügte Clement hinzu. In Richtung der Kabelnetzbetreiber, die über ihre Netze nach einer Aufrüstung neben Fernsehen auch Telefon und Internet anbieten können, sagte Clement: „Da kann ich nur sagen: Innovationen erfordern Investitionen!“

Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke sagte, die Investitionen in das Netz seien Teil der Innovationsoffensive des Konzerns, die sowohl Infrastruktur als auch Produkte umfasse. „T-Com wird alles daran setzen, Anschlüsse zu verteidigen und über neue Produkte neue Anschlüsse zu gewinnen.“ Die Telekom stehe in allen Marktsegmenten in einem scharfen Preiswettbewerb. T-Com-Chef Raizner ergänzte, die Festnetzsparte, die wieder mit der Internettochter T-Online verschmolzen werden soll, stehe vor einem Umbau der gesamten Organisation. „Die T-Com von morgen wird nichts mehr oder nur wenig mit der T-Com von heute zu tun haben“, kündigte Raizner an.

Das moderne Glasfasernetz, mit dem die Übertragungsgeschwindigkeit von den heute möglichen sechs Megabit auf bis zu 50 Megabit pro Sekunde vervielfacht werden soll, wird ganz neue Angebote möglich machen. Zum Beispiel könnten auch Fernsehprogramme über die Telefonleitung ins Haus kommen. In der Branche wird das Triple Play genannt: Telefonieren, Internet und Unterhaltungsangebote aus einer Hand.

Anlässlich der Ifa stellte die Telekom eine Reihe von neuen Produkten vor, die in den kommenden Monaten auf den Markt kommen sollen – wie etwa ein Telefon, das Sprach- und Videokommunikation in einem Gerät verbindet. Mobilfunk und Festnetz werden immer enger miteinander verbunden sein, so wird es etwa eine einheitliche Mailbox für Mobilfunk- und Festnetz geben oder ab Oktober auch einen kombinierten Pauschalpreis für lokale Gespräche bei T-Com und T-Mobile. T-Mobile plant zudem einen Handytarif, mit dem man zu Hause zu Preisen ähnlich wie im Festnetz telefonieren kann. Wettbewerber wie O2 und Vodafone bieten das bereits an. T-Com wiederum plant das Angebot eines mobilen Gerätes, das sowohl im Festnetz als auch in lokalen Funknetzen und in Mobilfunknetzen funktioniert.

Dass die Telekom ihr Augenmerk nun auf Innovationen lenkt, will sie offenbar auch durch Personalentscheidungen zeigen. Ab Oktober übernimmt Bernd Kolb den Posten des neu geschaffenen Innovationsvorstands bei T-Com. Kolb gründete 1987 die später börsennotierte ID Media AG in Berlin und führte das Unternehmen 18 Jahre lang als Geschäftsführer und Vorstandschef.

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