Telekom-Jahreshauptversammlung : Vorstände wollen bei sich selbst sparen

Vor dem Hintergrund der Lohnkürzungen für rund 50.000 Mitarbeiter erklärte sich der Vorstand bereit, auf ein Monatsgehalt verzichten zu wollen. Gleichzeitig wollen Aufsichtsräte offenbar ein Ausscheiden von Chefkontrolleur Zumwinkel erreichen.

Köln/Hamburg - Mit der Geste eines Gehaltsverzichts wolle man Solidarität mit den Angestellten ausdrücken, so Konzernchef René Obermann. Der Vorstandsvorsitzende will aufgrund seiner "besonderen Verantwortung" sogar auf zwei Monatsgrundgehälter verzichten, was rund 200.000 Euro entspricht. Angesprochen auf die 72 Cent Dividende pro Aktie bei gleichzeitigen Gehaltskürzungen wies Obermann während der Hauptversammlung in der Kölnarena darauf hin, "dass neben den Mitarbeitern auch der Kapitalmarkt Forderungen an uns hat, denen wir gerecht werden müssen."

Die Reaktion der Mitarbeiter war allerdings deutlich: Sie pfiffen Obermann wegen des geplanten massiven Stellenumbaus kräftig aus. Der Konzernchef wurde während seines gut einstündigen Lageberichts mehrfach durch Gelächter, Buhrufe und ein gellendes Pfeifkonzert unterbrochen. Die protestierenden Telekom-Beschäftigten wandten sich gegen die Pläne des Vorstands, rund 50.000 Arbeitsplätze in Service-Gesellschaften auszulagern, Arbeitszeiten zu verlängern die Gehälter zu kürzen.

Nach dem Willen der Telekom sollen die Mitarbeiter in drei Servicegesellschaften ausgelagert werden und für weniger Gehalt länger arbeiten. Um dagegen zu protestieren, hat die Gewerkschaft Verdi bundesweit insgesamt 15.000 Mitarbeiter aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Vor der Kölnarena betonten die Arbeitnehmervertreter, auch die Aktionäre hätten eine Verantwortung für die Beschäftigten. Mehrere hundert Menschen demonstrierten am Rande der Hauptversammlung. Gewerkschaftsvertreter wollen das Thema auf der Versammlung zur Sprache bringen.

Zumwinkel hat keine Zeit für den Posten Eigentlich könnte Klaus Zumwinkel sein Mandat in der momentan stattfindenden Jahreshauptversammlung verlängern. Aufsichtsräte der Deutschen Telekom drängen den Chefkontrolleur laut einem Pressebericht der "Financial Times Deutschland", sein Mandat im nächsten Jahr nicht zu verlängern. Einige zweifelten daran, dass Zumwinkel ausreichend Zeit für den angeschlagenen Telekomkonzern aufwenden könne. Nun will Zumwinkel, der auch Aufsichtsratschef der Postbank und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post ist, erst Ende des Jahres über seine Zukunft bei der Telekom entscheiden. (Von Michael Stürzenhofecker mit dpa/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben