Wirtschaft : Telekom kämpft um ihre Kunden

Konzernchef Ricke senkt die Tarife, um Marktanteile zu halten. Am Wochenende geht es um seine Zukunft

Corinna Visser

Berlin - Die Deutsche Telekom will ihre Preise im Festnetz um bis zu 30 Prozent senken und künftig einfachere Tarife anbieten. Das kündigte Telekom-Chef Kai- Uwe Ricke am Donnerstag vor der Eröffnung der Internationalen Funkausstellung (Ifa) in Berlin an. Mit der Preisoffensive will die Telekom verhindern, dass sie noch mehr Kunden an die Wettbewerber verliert. „Wir werden diesen Kampf um Marktanteile nicht über den Preis gewinnen“, schränkte Ricke jedoch ein. „Wir brechen hier keinen Preiskrieg vom Zaun, wir werden nicht der billige Jakob.“ Aus Kundensicht gebe es dennoch keinen Grund mehr zu wechseln. „Den Kampf um die Kunden werden wir in den Feldern Innovation und Service führen“, sagte er.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die die Ifa am Donnerstagabend eröffnete, lobte die Messe als „ erstklassiges Schaufenster deutscher Innovationskraft“. Sie begrüße, dass die Ifo nun jährlich stattfinde, sagte Merkel. Die Stimmung in der Branche sei positiv, damit sei sie auch Taktgeber für die deutsche Wirtschaft insgesamt.

In der Telekom wird derweil heftig über die Zukunft von Konzern-Chef Ricke spekuliert. Ende dieses Jahres müsste eine Entscheidung fallen, ob sein Vertrag, der Ende 2007 ausläuft, verlängert wird. Anfang August hatte Ricke die Halbjahreszahlen präsentiert, die viel schlechter als erwartet ausfielen. Der Kurs der T-Aktie stürzte ab. Zudem musste der Konzern seine Umsatz- und Ergebnisprognose für das laufende Jahr reduzieren. Allein im ersten Halbjahr hat die Telekom eine Million Kunden an die Wettbewerber verloren, deutlich mehr als erwartet.

Das Management räumte ein, die Dynamik des Marktes unterschätzt zu haben. Andererseits sei man durch die verzögerte Verschmelzung von T-Online und T-Com gehindert worden, ähnlich wie die Wettbewerber gebündelte Produkte aus schnellem Internetzugang (DSL) und Festnetzanschluss anzubieten. Die jetzt angekündigten Preissenkungen machten keine weitere Anpassung der Umsatz- und Gewinnprognose nötig, sagte der Telekom-Chef. An diesem Wochenende treffen sich Aufsichtsrat und Vorstand zu einer Strategiekonferenz. Dabei dürfte es auch um die Zukunft von Ricke gehen. Dieser sagte zu dem Thema lediglich, er freue sich auf die Sitzung und sei gut vorbereitet.

Die neuen Tarife präsentierte die Telekom gestern auf einem Bierdeckel. Nimmt man allerdings alle Fußnoten dazu, passen sie nicht mehr auf einen Bierdeckel. Wer nur telefonieren will, für den gibt es drei neue Angebote ab 19,95 Euro (ISDN: 27,95) im Monat. Im Basispreis sind 120 Minuten (ISDN: 240 Minuten) für Festnetzgespräche innerhalb Deutschlands inklusive. Festnetz- und DSL-Anschluss im Paket kosten mindestens 34,95 Euro im Monat, wobei 120 Minuten Festnetzgespräche in Deutschland und 500 Megabyte für das Surfen im Netz bereits enthalten sind. Die Ersparnis ergibt sich im Vergleich zu den Preisen, die man zahlen müsste, wenn man die Angebote nicht im Paket bucht. Den einfachen Telefonanschluss für 15,95 Euro wird es weiter geben, er wird aber nicht mehr beworben.

Die Konkurrenz müsse ob des neuen Telekom-Angebots nicht zittern, urteilte Martin Müller von der Tarifberatung Tertarif. Trotz des neuen Angebotes gebe es für die Wettbewerber der Telekom genügend Spielraum für attraktive Produkte. Bei Arcor etwa kostet der ISDN-Anschluss und unbegrenztes Telefonieren ins deutsche Festnetz 29,90 Euro.

Lothar Schröder, Mitglied im Verdi-Bundesvorstand und im Aufsichtsrat der Telekom, sagte, die neuen Tarife seien ein Schritt in die richtige Richtung, gingen aber nicht weit genug. „Die Telekom muss stärker auf Service setzen, um sich am Markt zu differenzieren“, sagte er. „Sie baut an zu vielen Baustellen um und bringt zu wenig Personal an die Kundenschnittstelle.“ Allein in diesem Jahr müssen rund 12 000 Mitarbeiter gehen.

Im Oktober will die Telekom mit ihrem neuen Angebot T-Home starten, einer Kombination aus Telefon, Internet und Fernsehen. T-Home soll zwischen 60,84 und 90,84 Euro im Monat kosten.

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