Wirtschaft : Telekom: Kein Weg aus dem Tief

Veronika Csizi

Sommerschlussverkauf statt Herbstrallye: Der Monat September verlief auch für Dax-Anleger so ganz nach dem Geschmack der Bären. Nur wenige der 30 deutschen Standardwerte schlossen den Monat nicht im Minus. Gegen den Sog der schwachen US-Märkte und der Angst vor Gewinnwarnungen konnte sich vor allem die Schering AG stemmen. Die Anleger katapultierten den Kurs des Berliner Pharmakonzerns binnen vier Wochen um etwa 25 Prozent nach oben: Ausschlaggebend für das neue Allzeithoch dürften die zuletzt starke Performance im amerikanischen Biotech-Sektor und die ehrgeizigen Pläne von Finanzvorstand Klaus Pohle gewesen sein. Danach will Schering seinen Umsatz bis 2007 auf sieben Milliarden Euro nahezu verdoppeln.

Gegen den Trend waren im September auch Konsumwerte gesucht. Angesichts der geplanten Steuerentlastungen und steigender Einhandelsumsätze seien Karstadt-Quelle und Metro "derzeit spekulativ interessant", hieß es von Analystenseite. Positiv bewerteten die Investoren auch den Wechsel in den Führungsgremien beider Häuser: Ab 1. Oktober wird Walter Deuss nach 18 Jahren an der Spitze von Karstadt Wolfgang Urban Platz machen, der als harter Sanierer gilt. Seit Monatsmitte liegt das Papier jedoch wieder auf steilem Aufwärtskurs - ebenso wie die Metro-Aktie, die vor 14 Tagen noch unter 41 notierte, inzwischen aber bereits die 46 Euro übersprungen hat. Schwer gebeutelt hat der September indes alle Aktionäre der Siemens-Familie. Vor allem Infineon litt massiv unter der jüngsten Gewinn- und Umsatzwarnung von Chip-Gigant Intel und zunehmenden Ängsten vor einem Ende des boomenden Halbleitermarktes. Im Monatsverlauf verlor Infineon rund 27 Prozent. Die Anleger ignorierten alle Beteuerungen des Unternehmens, das Wachstum sei robust, man erwarte weiter steigende Umsätze und Gewinne. Siemens selbst ging um rund 17 Prozent in die Knie. Händler begründeten dies mit der hohen Beteiligung an Infineon (71 Prozent).

Bremsklotz im Depot war erneut auch Daimler-Chrysler. Die Aktien des Autoherstellers unterboten sogar kurzfristig die magische 50-Euro-Grenze und stehen aktuell so tief wie zuletzt 1996. Selbst Käufer aus dem Jahr 1987 erzielten bis heute, die Dividende nicht mitgerechnet, nur eine Nullverzinsung. Ursachen dafür seien der Gewinnrückgang bei Chrysler, verursacht durch laufende Modellwechsel und den harten Konkurrenzdruck in den USA, so eine Analyse von ABN Amro.

Mit Kaufempfehlungen überhäuft wird inzwischen die Deutsche Telekom, die den Monat erneut mit einem dicken Minus beendete. Angesichts des Kursverfalls halten inzwischen 13 von 22 Banken die Aktie für deutlich unterbewertet. Unter 40 Euro gedrückt haben das Papier offenbar vor allem politische Widerstände in den USA gegen den Kauf von Voicestream durch ein staatlich dominiertes Unternehmen. Auch Gerüchte, der Bund werde sich zügig von weiteren Anteilen trennen, halfen dem Kurs nicht. Grossinvestoren sollen zudem Telekom- gegen Voicestream- Papiere getauscht haben, um damit billiger an Aktien des fusionierten Konzerns zu kommen.

Unter Abgabedruck standen nicht zuletzt auch die Chemiewerte, allen voran Bayer. Zwar wiege der positive Einfluss des schwachen Euro stärker als Einbußen durch die hohen Ölpreise und die Chemiekonjunktur brodle, bestätigten die Branchenverbände. Trotzdem ging die Aktie der Leverkusener kräftig in die Knie.

Der Aktienindex Dax hat damit dem Ruf des Septembers als eher schlechter Börsenmonat alle Ehre gemacht. Von deutlich über 7200 Punkten fiel das wichtigste deutsche Börsenbarometer zeitweise auf 6680 Zähler und lag damit unter seinem Stand vom Jahresbeginn. Bis gestern Mittag hatte er sich wieder auf gut 6800 Punkte erholt. Auch für den kommenden Monat Oktober erwarten die Banken allerdings kein Ende, wenn auch eine Beruhigung der Herbststürme.

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