Wirtschaft : Telekom kommt bei O2 nicht zum Zug

Gespräche mit KPN über Kauf des britischen Mobilfunkanbieters gescheitert

Corinna Visser

Berlin - Die Deutsche Telekom denkt wieder über Zukäufe nach. So hat die Telekom erwogen, gemeinsam mit dem niederländischen Telekommunikationskonzern KPN das britische Mobilfunkunternehmen O2 zu übernehmen. Doch die „Sondierungsgespräche bezüglich des möglichen Erwerbs von O2“, meldete die Telekom am Dienstag in einer Pflichtmitteilung an der Londoner Börse, seien beendet. Die Gespräche hätten sich noch in einem sehr frühen Stadium befunden, sagte ein Sprecher der Telekom. Zum Inhalt wollte er weiter nichts sagen.

Britischen Medienberichten zufolge wollten die Telekom und KPN gemeinsam 14 Milliarden Pfund (20,4 Milliarden Euro) für O2 bieten. Doch offenbar konnten sich die beiden Konzerne am Ende über die Aufteilung des Kaufpreises nicht einigen. Dabei hätte der Zukauf für beide eine sinnvolle Ergänzung ihres Geschäftes bedeutet. Die Telekom ist nach den Worten ihres Konzernchefs Kai-Uwe-Ricke zwar nicht auf Einkaufstour – oder im „Akquisitionsmode“, wie er das nennt. Ziel sei es jedoch, sich in den Ländern zu verstärken, wo die Telekom bereits vertreten ist. Dieser Devise folgend hat die Telekom zuletzt in Österreich das Mobilfunkunternehmen Telering übernommen und ist damit ein deutliches Stück näher an den Marktführer herangerückt. Mit O2 wiederum hätte die Telekom in Großbritannien ihr Mobilfunkgeschäft stärken können, in dem zuletzt Umsätze und Kundenzahl rückläufig waren. Den Schuldenstand jedenfalls hat die Telekom so weit reduziert, dass Zukäufe nicht mehr ausgeschlossen sind. Gleiches gilt für KPN, die im Falle der Übernahme das deutsche Geschäft von O2 übernommen und mit der Tochter E-Plus verschmolzen hätte.

Dass die Telekom nach den gescheiterten Gesprächen mit KPN O2 allein übernimmt, glaubt Analyst Frank Rothauge vom Bankhaus Sal. Oppenheim nicht. „Das würde ein erhebliches Risiko bedeuten.“ Denn O2 Deutschland müsste die Telekom aus kartellrechtlichen Gründen auf jeden Fall loswerden – ein gutes Argument für einen potenziellen Erwerber, den Kaufpreis zu drücken. „KPN wäre der bestmögliche Partner gewesen“, sagt Rothauge. KPN habe wegen der erheblichen Synergien auch den höchsten Kaufpreis für O2 Deutschland bieten können. Andere gute Kaufgelegenheiten für die Telekom sind dagegen rar. Jedenfalls gibt es weder in den USA noch in Osteuropa derzeit Optionen.

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