Wirtschaft : Telekom kommt ihren Konkurrenten entgegen

BONN (aho).Die Deutsche Telekom will ihren Wettbewerbern monatlich künftig 37,30 DM für den Zugang zum Teilnehmer berechnen.Das Unternehmen hat jetzt einen entsprechenden Antrag über die sogenannte Teilnehmeranschlußleitung (TAL) vorgelegt.Das teilte die zuständige Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post am Mittwoch mit.

Der Preis liegt zwar unter der Gebühr, die die Telekom in ihrem letzten Antrag vom vergangenen Jahr gefordert hatte.Damals verlangte sie 47,26 DM.Die Wettbewerber halten dagegen eine Gebühr von 15 bis 20 DM für gerechtfertigt.Der Dachverband der besonders betroffenen kommunalen Telefonfirmen, ATekom, wertete den neuen Vorschlag als "Mondpreis".Netcologne-Chef Werner Hanf vermutete eine "Kungelstrategie" zwischen Telekom und Wirtschaftsministerium hinter dem neuen Antrag.

Die Gebühr über die Teilnehmeranschlußleitung ist wichtig für den Wettbewerb im Ortsnetz.Die Telekom hat fast ausschließlich den direkten Zugang zum Kunden.Will also ein Wettbewerber den Draht zum Verbraucher, muß er ihn bei der Telekom mieten.Die Regierung hatte seinerzeit diese Lösung im Telekommunikationsgesetz vorgesehen, um kostspieligen Doppelinvestitionen zu vermeiden.Die neuen Telefonfirmen hätten sonst mit hohen Aufwand neue Leitungen parallel zu den bereits vorhandenen legen müssen.

Experten gehen davon aus, daß der Wettbewerb im Ortsnetz erst dann richtig in Fahrt kommen wird, wenn die TAL feststeht.Bislang herrscht Wettbewerb fast nur bei den Ferngesprächen.Dort hat die neue Konkurrenz dem ehemaligen Monopolisten nach Angaben der Regulierungsbehörde bis zu einem Drittel des täglichen Gesprächsaufkommen abgenommen.

Die Telekom hat bereits dreimal einen entsprechenden Antrag gestellt.Zuletzt hatte sie ihn Ende November nach Intervention des Wirtschaftsministers Werner Müller zurückgezogen.Die Behörde soll nun in den nächsten zehn Wochen über das Gesuch der Telekom entscheiden.Am 17.Februar ist eine öffentliche Verhandlung vorgesehen.Im März vergangenen Jahres hatte der Regulierer eine vorläufigen Preis von 20,65 DM festgelegt.

Die Telekom erklärt den neuen höheren Mietpreis, den sie verlangen will, mit einer längeren Abschreibungsdauer von 20 statt bisher 15 Jahren für die Kupferleitungen.Außerdem habe sie bis zum Jahr 2001 mögliche Rationalisierungspotentiale einberechnet.Für Kabelkanalanlagen hat sie ebenfalls den Abschreibungszeitraum verlängert auf nunmehr 35 Jahre.Will ein Wettbewerber einen Anschluß komplett übernehmen, verlangt die Telekom zudem eine einmalige Gebühr von 364,63 DM und für eine Neuschaltung 438,62 DM.

Telekomsprecher Ulrich Lissek begründete das Vorgehen damit, daß der Entscheidungsprozeß beschleunigt werden soll.Alle Beteiligten sollten mehr Planungssicherheit erhalten.

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