Wirtschaft : Telekom-Konkurrenten laufen Sturm

BERLIN (aho).Die wichtigste Entscheidung für den Wettbewerb im Telefonortsnetz ist gefallen: Nach monatelangem Hickhack hat die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RTP) den Preis für den Teilnehmeranschluß festgelegt.Künftig müssen die Konkurrenten 25,40 DM im Monat an die Telekom zahlen, um die "letzte Meile" Leitung zum Kunden zu mieten.Damit blieb die Behörde deutlich unter den Vorstellungen der Telekom, die 37,30 DM gefordert hatte.Der Ex-Monopolist will die Entscheidung akzeptieren, die Wettbewerber nicht.

Wie RTP-Präsident Klaus-Dieter Scheurle am Montag in Bonn sagte, soll die Gebühr den bisherigen Preis von 20,65 DM ab sofort ersetzen und bis Ende März 2001 gelten.Damit hätten die 34 betroffenen Unternehmen für zwei Jahre Planungssicherheit.Neben dem Mietpreis legte die Behörde auch die einmaligen Preise für Um- oder Neuschaltung eines Telefonanschlusses zu einem fremden Netz fest.Je nach Aufwand müssen die Unternehmen zwischen 191,64 DM und 337,17 DM zahlen.Die Folgen der Entscheidung für den Markt beurteilte Scheurle positiv: "Die Mietbeträge machen einen breiten Einstieg der Wettbewerber in die Ortsnetze zwar nicht leicht, aber dennoch möglich." Dennoch geht er davon aus, daß der Verbraucher vom Wettbewerb im Ortsnetz nicht so stark profitieren werde wie bei den Ferngesprächen.Dort fielen die Preise im vergangenen Jahr um fast 70 Prozent.

Die Telekom will den Beschluß nicht anfechten."Wir bedauern die Entscheidung, aber wir akzeptieren sie", sagte Unternehmenssprecher Ulrich Lissek.Folgen für die Arbeitsplätze erwartet er nicht.Bei dem Plan, die Zahl der Jobs bis zum Jahr 2000 auf 170 000 Beschäftigte zu verringern, werde es bleiben.Ende vergangenen Jahres standen 179 500 Arbeitnehmer auf den Gehaltslisten des Konzerns.

Scharf verurteilte die Konkurrenz den nach ihrer Meinung viel zu hohen Mietpreis.Jürgen Grützner, Sprecher des VATM (Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten) sagte, der Wettbewerb um den Privatkunden sei "auf Jahre hinaus" blockiert.Ähnlich äußerte sich der Deutsche Verband für Post und Telekommunikation (DVPT).Die Telekom behalte "80 Prozent der Gespräche im Monopol".Auch die großen Konkurrenten der Telekom bedauerten die Entscheidung.Harald Stöber, Vorstandsvorsitzender bei Mannesmann Arcor, sagte: "Der Leidtragende ist der Privatkunde." Ähnlich sieht das Otelo-Chef Thomas Geitner: "Private Verbraucher werden kaum Wahlmöglichkeiten und damit günstigere Alternativen zur Deutschen Telekom erwarten können." Die Wettbewerber halten einen Preis von 15 bis 20 DM für gerechtfertigt.

Die Firmen wollen den Beschluß der Behörde allerdings nicht so einfach akzeptieren.Mannesmann Arcor und der Kölner Regionalanbieter Netcologne planen, deshalb die Gerichte anzurufen.Auch das Bundeskartellamt soll sich mit dem Vorgang befassen.Der DVPT erwägt sogar, die EU-Kommission einzuschalten.Der Verband befürchtet außerdem, daß jetzt die Telekom auch die Grundgebühr für den Kunden von derzeit 21,39 DM (ohne Mehrwertsteuer) auf 25,40 DM erhöhen könnte und so Einnahmen von mehr als drei Mrd.DM erhalten würde.Nach Ansicht des DVPT darf der ehemalige Monopolist von seinen Privatkunden nicht weniger als von den Wettbewerbern verlangen.Telekom-Sprecher Lissek betonte dagegen, der Konzern wolle die Grundgebühr nicht erhöhen.

Wie sich der Beschluß in der Branche auswirken wird, ist noch unklar.Viele Firmen gehen allerdings davon aus, daß sich das Marktwachstum künftig verlangsamen könnte.Im vergangenen Jahr stiegen die Umsätze um sieben Prozent.Mannesmann Arcor will seine Investionspläne im Ortsnetz aber vorerst nicht kürzen, sagte eine Sprecherin.Derzeit bietet der Telekom-Konkurrent Ortsgespräche nur in Stuttgart an, neun weitere Großstädte wie Frankfurt, Hamburg oder München sollen bald folgen.Auch Otelo will an seinen Ortsnetzplänen festhalten.Die Düsseldorfer beabsichtigen, ab März in Essen Ortsgespräche anzubieten.

Auch Analysten erwarten ein schwächeres Marktwachstum.Sabine Schauer vom Bankhaus Metzler in Frankfurt rechnet nicht mit einem großen Preissturz.Früher habe die Telekom die Ferngespräche verteuert, um die Ortsgespräche billiger anbieten zu können.Deshalb gebe es bei den Ortsverbindungen "keine große Luft", um die Preise zu senken - anders als bei Ferngesprächen.Andererseits könnten die Wettbewerber jetzt alle Telefondienste aus einer Hand anbieten und so leichter Kunden an sich binden.

Über die Entscheidung zur Teilnehmeranschlußleitung war monatelang gerungen worden.Ursprünglich hatte die Regulierungsbehörde bereits Ende November vergangenen Jahres einen Preis von 23,20 DM festlegen wollen.Doch auf Empfehlung von Wirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) hatte die Telekom ihren damaligen Antrag von 47,26 DM zurückgezogen und ein neues Angebot von 37,30 DM vorgelegt.

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