Wirtschaft : Telekom-Konkurrenz sucht händeringend Fachkräfte

DÜSSELDORF (dpa).Die einen suchen Macher mit Visionen, die anderen versprechen den beruflich richtigen Kick."Machen Sie die Zukunft zu Ihrem Beruf", fordert ein Dritter.Die Telekommunikation wird immer mehr zu einem Gebiet der unbegrenzten Möglichkeiten.Während die Zahl der Arbeitslosen monatlich von einem traurigen Rekord zum nächsten eilt, entwickelt sich die Kommunikationsbranche zur Jobmaschine Deutschlands.Vor allem die neuen Telefongesellschaften, die seit Jahresanfang der Deutschen Telekom Paroli bieten, suchen händeringend Fachkräfte. Mit markigen Sprüchen und zum Teil ganzseitigen Anzeigen gehen die Neulinge auf Jagd nach Mitarbeitern.Besonders aktiv sind dabei die Großen der Branche wie Mannesmann Arcor, Otelo und Viag Interkom.Aber auch netzunabhängige Gesellschaften wie Talkline, Mobilcom und Debitel, regionale und städtische Anbieter haben zahlreiche neue Jobs zu vergeben."Es ist ein hartumkämpfter Markt", sagt Anke Rodermann von der Düsseldorfer Isis Multimedia GmbH.Besonders schwierig sei es, Leute mit Erfahrung in technischen Berufen zu finden. Die Jobangebote reichen im Marketing von Systemkaufleuten bis zum Bidmanager.Im technischen Bereich sind Netzwerk-Architekten, System- und Entwicklungsingenieure, Fachkräfte für das technische Controlling oder Systemspezialisten für Internetdienste gefragt.Darüber hinaus suchen viele Gesellschaften Mitarbeiter für ihre Call-Center.Die Jobbörsen der Unternehmen auf den Internetseiten werden länger und länger. Der Personalbedarf ist nach Angaben von Unternehmensberatern je nach Entwicklungsstadium der Telefongesellschaft unterschiedlich.So braucht eine neu gegründete Firma eher Ingenieure zum Aufbau von Netzwerken, ein etabliertes Unternehmen dagegen Kaufleute für den Vertrieb.Doch alle haben ein Problem gemeinsam: Die Fachkräfte fehlen."Je höher die Führungsebene, umso schwieriger ist es, Leute zu finden", resümiert Thomas Stormanns von Talkline.Auch das Abwerben von Arbeitskräften beim Wettbewerber ist nicht ungewöhnlich.Denn, so das Fazit von Horst Neller, Personalberater für Telekommunikation und Neue Medien bei Kienbaum & Partner, "der Markt ist absolut leergefegt".Die Unternehmen würden sich gegenseitig mit höheren Gehältern Fachkräfte abwerben. Daß viele Telefongesellschaften in der Jobklemme stecken, verwundert Experten kaum: Etwa 30 neue Firmen haben sich inzwischen im liberalisierten Telefonmarkt aufgestellt.Bis zum Jahresende könnten es 60 werden."Durch die Vielzahl der neuen Anbieter ist der Arbeitsmarkt praktisch abgegrast", heißt es bei der Stuttgarter Telefongesellschaft Tesion, ein regionaler Anbieter im Raum Baden-Württemberg.Dynamisch, superflexibel und hochengagiert - das sind nach Ansicht von Sabine Raiser von Westcom, Heidelberg, die wichtigsten Qualifikationen für einen Job in der Telekommunikation.Und das seien Menschen mit Sprachkenntnissen, die bereit seien, wegzuwerfen, was sie gestern erlernt haben.Das sieht Personalberater Neller von Kienbaum & Partner nicht anders, denn: "Die Halbwertzeit des technischen Wissens nimmt immer mehr ab."

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