Wirtschaft : Telekom-Konkurrenz sucht Hilfe in Bonn

Verband: Wettbewerb von 1998 an gefährdet / Telekom Verzögerung vorgeworfen
BONN (wei). Die im Verband für Telekommunikation und Mehrwertdienste, VTM, zusammengeschlossenen Unternehmen erwarten, daß sich das Postministerium bereits jetzt in ihre Verhandlungen mit der Telekom einschaltet.Ohne eine aktive Vermittlung des Regulierers sei der Beginn des Wettbewerbs zum 1.Januar 1998 gefährdet, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Hans-Peter Kohlhammer, am Dienstag in Bonn.Das Verwaltungsgericht Köln hatte in der vergangenen Woche einer Klage von mehreren Wettbewerbern der Telekom stattgegeben.Danach muß die Telekom den Privaten den sogenannten "entbündelten" Zugang zu ihrem Netz für Endkunden anbieten, die sich von 1998 an für den Anschluß eines privaten Betreibers entscheiden.Die Telekom prüft, ob sie dagegen in Berufung geht.Allerdings stehen die Verhandlungen über die zu zahlenden Preise noch aus. Kohlhammer warf der Telekom vor, die Verhandlungen über die Zusammenschaltung der Netze zu verzögern.Die Anwesenheit von Vertretern des Ministeriums oder der künftigen Regulierungsbehörde könne die Verhandlungen beschleunigen.Postminister Wolfgang Bötsch verwies darauf, daß die Voraussetzungen für eine Verständigung seitens der Behörden vorliegen.Eine Schlichterrolle des Regulierers sei nach dem Gesetz nicht möglich.Er werde sich eine Vermittlung aber überlegen, wenn beide Verhandlungsparteien auf ihn zukämen.Eine erste Entscheidung über Preise, die für die Benutzung des Telekom-Netzes zu zahlen sind, hat das Ministerium für den 12.September angekündigt.Entscheiden wird dann im Streit zwischen der Telekom und Otelo.Außerdem verlangen drei weitere Gesellschaften eine Entscheidung des Regulierers.Ohne feste Kalkulationsgrundlagen sind nach Ansicht des VTM Investitionen der privaten Anbieter von 40 Mrd.DM in den nächsten fünf Jahren gefährdet.Damit könnten bis zu 100 000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.Die Branche zählt derzeit schätzungsweise 20 000 Beschäftigte. Kohlhammer erneuerte die Forderung nach einer starken Regulierungsbehörde mit Experten aus der Wirtschaft in den entscheidenden Positionen.Ohne funktionierenden Wettbewerb werde das Wachstum des Telekommunikationsmarktes hinter den Erwartungen zurückbleiben.Inzwischen liegen zwei Vereinbarungen der Telekom mit privaten Betreibern vor: den Gesellschaften Worldcom und Teledanmark.Zwei weitere Verhandlungen stünden vor dem Abschluß, sagte Kohlhammer.Offen sei derzeit, wieviele Konkurrenten bereits im Januar Telefondienst anbieten.Bundesweit würden es aber weniger als zehn sein.

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