Wirtschaft : Telekom-Konzern KPN macht Milliardenverluste

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Der privatisierte niederländische Telekom-Konzern KPN hat für das Geschäftsjahr 2001 einen Rekordverlust von 7,5 Milliarden Euro bekanntgegeben. Vor einem Jahr hatte das Unternehmen noch einen Nettogewinn von über 1,8 Milliarden Euro erzielt. Der Umsatz stieg nur noch um 6,9 Prozent. Trotzdem verlor die KPN-Aktie an der Amsterdamer Börse bis zum Mittag nur 0,4 Prozent. Grund: Die Hiobsbotschaft war von Analysten erwartet worden. Außerdem ist es dem neuen KPN-Chef Ad Scheepbouwer gelungen, seine Strategie durchzusetzen. KPN baut konsequent seine Schulden ab und reduziert seine Kosten.

KPN war nach seiner Privatisierung eine überzogene Expansionsstrategie zum Verhängnis geworden. Die enormen Ausgaben für den Erwerb von E-Plus in Deutschland und für den Erwerb von UMTS-Lizenzen schlagen sich bis heute in der Bilanz nieder. Hinzu kommen die Kosten für einen Sozialplan, mit dessen Hilfe KPN 5280 Arbeitsplätze abbaut, davon 2900 durch Entlassungen. Zieht man diese außerordentlichen Belastungen ab, so erzielte KPN im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Nettoverlust von 1,4 Milliarden Euro. Auch 2001 war der Nettogewinn von 1,87 Milliarden Euro nur durch den Verkauf von 15 Prozent der Anteile an KPN-Mobil zustandegekommen.

Zu den außerordentlichen Kosten, die das Jahresergebnis verschlechtern, hat auch die Entflechung mit der US-Telekomgesellschaft South-Bell beigetragen, die bisher 22,5 Prozent der Anteile an E-Plus hielt. Am 14. März gab KPN bekannt, man habe E-Plus nun vollständig übernommen. Die Amerikaner erhalten dafür einen 9,42-Prozent-Anteil direkt an KPN. Sie verlieren dadurch jedoch die Möglichkeit, Einfluss auf strategische Entscheidungen bei E-Plus zu nehmen. E-Plus gehört, ebenso wie das Festnetz, zum Tafelsilber von KPN, in beiden Bereichen erwirtschaftet KPN operative Gewinne.

Scheepbouwer ist es auch gelungen, mit der Emission von neuen Anteilen, dem Verkauf von ausländischen Beteiligungen und einer Beschränkung auf die Kernaktivitäten von KPN den Schuldenstand von 20,1 Milliarden Euro von vor einem Jahr auf 15,7 Milliarden Euro zu Ende Dezember zu drücken. Bis Ende des Jahres soll er unter die 15-Milliarden-Grenzen sinken.

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