Wirtschaft : Telekom lehnt Verkaufsabsicht des Bundes ab

Verweis auf Börsenprospekt: Verkauf über die Börse vor dem Jahr 2000 praktisch ausgeschlossen

BONN (dpa).Die Deutsche Telekom AG sperrt sich gegen Erwägungen der Bundesregierung, noch in diesem Jahr Telekom-Aktien an der Börse zu verkaufen.Die Telekom halte sich strikt an den Prospekt für den Börsengang im November 1996, sagte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch in Bonn.Darin wird ein Verkauf von T-Aktien des Bundes über die Börse vor dem Jahr 2000 praktisch ausgeschlossen.Die Telekom werde zudem nicht auf ihr Recht auf eine Kapitalerhöhung verzichten, sagte der Sprecher. Der Bund will die Privatisierung der Telekom vorziehen, um Lücken im Haushalt zu schließen.Es sei aber noch nicht entschieden, auf welche Weise die Aktien verkauft werden, sagte eine Sprecherin des Finanzmininisteriums.Ein Aktienverkauf werde nur in Absprache mit der Telekom geschehen.Ministerium und Telekom betonten, daß dabei die Interessen der Kleinaktionäre geschützt werden sollten. Der Kurs der Telekom-Aktie war am Dienstag nachbörslich gefallen.Auslöser war offenbar ein Bericht, die Koalition wolle noch in diesem Jahr knapp 300 Millionen T-Aktien direkt an der Börse verkaufen.Nach den Bestimmungen zur Postreform II darf der Bund Telekom-Aktien erst ab dem Jahr 2000 über die Börse verkaufen.Zuvor darf nur die Telekom mit einer weiteren Kapitalerhöhung an die Börse gehen.Die Telekom verfügt dafür noch über ein genehmigtes Kapital, das 287 Millionen T-Aktien entspricht.In dem Bericht hatte es geheißen, der Bund könne diese Menge dann an die Börse bringen, wenn die Telekom auf die Kapitalerhöhung verzichtet.Diese Voraussetzung lehnte die Telekom nun ab. Im rechtsverbindlichen Börsenprospekt ist zudem festgelegt, daß der Bund seine T-Aktien bis 2000 auch an Großinvestoren nur im Einvernehmen mit der Telekom verkaufen darf.Weiter heißt es im Prospekt: "Die Deutsche Telekom hat erklärt, daß sie diese Zustimmung nur erteilen wird, wenn der Erwerber solcher Aktien sich denselben Beschränkungen unterwirft, denen der Bund unterliegt." Dies bedeutet, daß auch strategische Investoren oder Platzhalter sich verpflichten müßten, die Telekom-Aktien mindestens bis zum 31.Dezember 1999 nicht an der Börse zu verkaufen.Der Bund besitzt insgesamt 2,03 Milliarden T-Aktien.Dies entspricht rund 74 Prozent der Anteile.Bei einem Kurs von 39 DM entspricht das Aktienpaket einem Wert von rund 78 Mrd.DM.

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