Telekom-Messe : Branche wächst mit Hightech und Billighandys

Auf der Industrieschau 3GSM in Barcelona wurden zahlreiche neue Hochleistungsgeräte vorgestellt, die Internet und andere Datendiensten auf dem Handy zum Durchbruch verhelfen sollen.

Barcelona - Zugleich drängen die Mobilfunkanbieter immer stärker in die Wachstumsmärkte der Schwellenländer, in denen vor allem günstige Telefone gefragt sind. So sicherte sich der britische Mobilfunkkonzern Vodafone für 13,1 Milliarden US-Dollar (10,1 Mrd Euro) eine 67-prozentige Beteiligung am indischen Mobilfunkunternehmen Hutchison Essar. Es ist die bisher größte einzelne Auslandsinvestition in Indien. Hutchison Essar hat 24,4 Millionen Kunden in dem laut Vodafone weltweit am schnellsten wachsenden Handy-Markt. Jeden Monat werden 6,5 Millionen neue Handyverträge abgeschlossen. Die Regierung rechnet mit rund 500 Million Handybesitzern im Jahr 2010.

Neue Smartphones von Nokia und Microsoft

Nokia und Microsoft haben in Barcelona unterdessen neue Angebote für das Hochpreis-Segment so genannter Smartphones vorgestellt - also Telefonen, die mit einer Vielzahl von Funktionen eigentlich kleine Computer sind und unter anderem Internet-Nutzung und andere Datendienste erlauben. 2008 dürften branchenweit 250 Millionen solcher Geräte verkauft werden - das wäre etwa jedes fünfte Handy und ein Sprung im Vergleich zu den rund 80 Millionen abgesetzten Geräten 2006.

Microsoft will mit seinem neuen Betriebssystem für mobile Geräte Handy und Computer enger verzahnen. Mit Windows Mobile 6 lasse sich unterwegs mehr als früher wie an einem PC arbeiten, sagte die zuständige Microsoft-Vizepräsidentin Suzan DelBene. Unter anderem könnten HTML-Mails mit Bildern und Tabellen geöffnet werden, die Funktionen zum Synchronisieren von Terminen wurden ausgebaut und die Kontaktliste mit einer Messenger-Software integriert, so dass auch eine Anwesenheitsanzeige möglich ist.

Handy mit TV und "Video-Center"

Nokia setzt auf mobiles Fernsehen und Navigation. Auf der 3GSM stellte der weltgrößte Handy-Hersteller ein neues Gerät für das Fernsehen über den Standard DVB-H vor sowie ein "Video-Center", mit dem auch direkt auf Clips der populären Website YouTube zugegriffen werden kann. "DVB-H wird die mobile Nutzung von Multimedia-Inhalten grundlegend verändern", sagte Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo. 80 Prozent der Mobiltelefone werden 2008 E-Mail-tauglich sein, schätzt Nokia.

Der weltgrößte Telekomausrüster Ericsson will von beiden Trends in der Branche profitieren und rechnet für die kommenden Jahre mit einem kräftigen Zuwachs. Die Nutzung des Mobilfunknetzes werde um das Fünffache und die des Festnetzes um das Siebenfache steigen, sagte Ericsson-Chef Carl-Henric Svanberg auf der 3GSM. Einen konkreten Zeitraum nannte er nicht. Sich zu Nutzen machen will Ericsson auch die Auslagerung von Mobilfunknetzen.

"Wir wollen keine Marktanteile verlieren"

In dem von einem harten Wettbewerb geprägten Markt wollen Nokia und Siemens ungeachtet der Korruptionsaffäre bei dem deutschen Elektrokonzern ihren gemeinsamen Telekomausrüster ohne Reibungsverluste starten. "Wir wollen keine Marktanteile verlieren", sagte der designierte Chef von Nokia Siemens Networks, Simon Beresford-Wylie, in Barcelona. Er bekräftigte, dass die gemeinsame Arbeit nach Verzögerungen wegen der Schmiergeld-Affäre nun im ersten Quartal losgehen soll. Ursprünglich hatte das Joint Venture bereits Anfang Januar an den Start gehen sollen. Die "Financial Times Deutschland" berichtete, dass der Start für den 1. April vorgesehen sei. Die beiden Unternehmen hatten im Sommer 2006 die Verschmelzung ihrer Telekomausrüster-Sparten bekannt gegeben. Das Joint Venture wird die weltweite Nummer drei mit einem kombinierten Umsatz von knapp 16 Milliarden Euro. (tso/dpa)

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