Wirtschaft : Telekom-Partner schweigen zu US-Plänen

BONN (rtr).Die Deutsche Telekom AG und die Telecom Italia wollen bei ihrem geplanten Zusammenschluß möglicherweise noch einen dritten Partner ins Boot nehmen.Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" sollen beide Unternehmen entsprechende Verhandlungen mit einer US-amerikanischen Firma führen.Als mögliche Partner nennt das Blatt die Bell South Corp.und SBC Communications Inc.Die Telekom wollte den Bericht nicht kommentieren.

Wie das "Wall Street Journal" weiter schreibt, soll die mögliche Beteiligung eines dritten Unternehmens die Fusion von Telekom und Telecom Italia (TI) zur zweitgrößten Telefongesellschaft der Welt (nach der japanischen NTT) stärken.Dabei sei aber noch nicht klar, ob dieser Partner auch Anteilseigner werde.Die Telekom und TI wollen gemeinsam ein neues Unternehmen bilden, das mit einem Jahresumsatz von 115 Mrd.DM und 300 000 Beschäftigten zum führenden Komplettanbieter auf dem europäischen Telekommunikationsmarkt aufsteigen soll.Gegen das Vorhaben gibt es jedoch Vorbehalte aus der italienischen Regierung, die auch knapp zwei Wochen nach der offiziellen Fusionsankündigung durch den Telekom-Vorstandsvorsitzenden Ron Sommer und den Chef der Telecom Italia, Franco Bernabé, nicht ausgeräumt sind.Wie es dazu in Bonn hieß, bemüht sich die Bundesregierung weiter, italienische Bedenken zu zerstreuen, der Bund könnte als Mehrheitsaktionär der Telekom einen zu großen Einfluß auf die neue Gesellschaft ausüben.

Dabei wird in Bonner Regierungskreisen allerding inzwischen mit leichter Verärgerung registriert, daß Teile der italienischen Regierung von den Deutschen konkretere Zusagen für eine Nicht-Einmischung in die Führung des neuen Unternehmens verlangen, Rom selbst aber derzeit massiven staatlichen Einfluß auf die Fusionsverhandlungen ausübe.Die italienische Regierung hält nur 3,4 Prozent an der Telecom Italia.Sie hat jedoch mit einer "goldenen Aktie" ein Vetorecht gegen wichtige Unternehmensentscheidungen.

Auch das Management der Telekom versucht hinter den Kulissen weiter Überzeugungsarbeit für einen "Zusammenschluß unter Gleichen" zu leisten.Dabei hat Sommer italienischen Verhandlungspartnern Ende vergangener Woche noch einmal eine paritätische Besetzung der Führungsgremien versprochen.Dies solle auch über die Satzung der neuen Firma abgesichert werden, erklärte dazu ein Telekom-Sprecher.

Unabhängig vom Fortgang der Fusionspläne bereitet die Telekom weiter eine Expansion auch ohne die Telecom Italia vor.So wollen Sommer und Finanzvorstand Joachim Kröske an diesem Mittwoch Einzelheiten zum zweiten Börsengang der Telekom bekanntgeben.Die Telekom wird voraussichtlich im Juni junge Aktien an die Kapitalmärkte bringen und sich damit bis zu 20 Mrd.DM frisches Geld verschaffen.Aus der Kapitalerhöhung will sie auch internationale Beteiligungen und Firmenkäufe finanzieren.

Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hängt das Schicksal Sommers nicht vom Zustandekommen der Fusion ab.Auch bei einem Scheitern der Pläne sehe der Bund als Mehrheitsaktionär "keinen Anlaß für einen personellen Wechsel", schrieb das Blatt.

Die Deutsche Telekom dementierte schließlich einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", wonach der Hauptsitz der Mobilfunk-Tochter D 1 nach Rom verlagert werden soll.Da sei nichts dran, erklärte ein Telekom-Sprecher.

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